Beim höchst zulässigen Rechnungszins in der klassischen Lebensversicherung ist im wahrsten Sinne der Nullpunkt erreicht. Die FMA hat die garantierte Verzinsung, die die Versicherer in der Lebensversicherung und der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge (PZV) bei Vertragsabschluss bieten dürfen, auf 0,00 Prozent gesetzt. Das geht aus einer Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am Donnerstag, 5. August, hervor.

Gültig ist die neue Vorgabe für Verträge, die nach dem 30. Juni 2022 abgeschlossen werden oder deren Versicherungsbeginn nach dem 30. September 2022 liegt. Die garantierte Mindestverzinsung bezieht sich nur auf die Sparprämie. Damit ist die einbezahlte Prämie abzüglich Steuern, Risiko- und Kostenanteilen gemeint.

Regulatorische Vorsichtsmaßnahme im Tiefzinsumfeld
Der Höchstrechnungszins ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Bis Mitte 2000 waren noch vier Prozent erlaubt. Hintergrund der Absenkung des maximalen Garantiezinses ist das kontinuierliche Tiefzinsumfeld, in dem sichere Anlagen in der Regel negativ verzinst sind. Das erschwert es Versicherern, ihr Kapital, das sie den Kunden garantieren, sowohl sicher als auch mit Rendite zu veranlagen.

Durch den Schritt will die FMA sicherstellen, dass die Versicherer Garantieleistungen aus neu abgeschlossenen Verträgen auch wirklich langfristig erfüllen können. Die Höhe des Garantiezinses beeinflusst wesentlich, wie hoch die versicherungstechnischen Rückstellungen (Deckungsrückstellung) sind, die die Assekuranzen bilden müssen. In Deutschland, wo die Versicherer in den vergangenen Jahren deutlich höhere Garantiezinsen boten, straucheln deswegen heute einige Marktteilnehmer massiv.

Reale Gesamtverzinsung
Die tatsächliche Gesamtverzinsung von Lebensversicherungen setzte sich bisher aus garantierter Verzinsung und variabler Gewinnbeteiligung zusammen. Der Garantieaspekt fällt nun weg, die reale Gesamtverzinsung muss dadurch aber nicht notwendigerweise betroffen sein. (eml)


Service: Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt