Manfred Rapf, Vorstand der Wiener Städtischen Versicherung, merkte im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei der diesjährigen FMA-Aufsichtskonferenz an, dass die Priip-Verordnung grottenschlecht sei und es sehr viel Nachbesserungspotenzial gebe. Er ist damit nicht der einzige Vertreter der Versicherungsbranche, der seinem Ärger über die "Verordnung über Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlagepro­dukte" freien Lauf lässt. Die seit 1. Jänner umzusetzende Verordnung schreibt vor, dass den Kunden beim Verkauf von Versicherungsanlageprodukten Basisinformationsblätter (BIBs) auszuhändigen sind.

Diese dürfen nicht mehr als drei DIN-A4-Seiten umfassen und müssen alle wesentlichen vorgegebenen Informationen zu diesem Produkt in standardisierter und vergleichbarer Form enthalten. Die Branche kritisiert, dass diese Informa­tionsblätter nicht auf die individuelle Situation des Kunden eingehen und ihn eher ab­schrecken als ihm helfen. Im Vorfeld befürchtet man, dass sich die Verordnung negativ auf den Vertrieb der Lebensversicherungen auswirken wird.

Ein Dreivierteljahr später wollte FONDS professionell daher wissen, wie sich die Priip-Verordnung bisher auf die Praxis auswirkt. Acht von zehn befragten Versicherungen gaben dabei an, dass sie bis jetzt keine negativen Auswirkungen auf den Absatz im Fondspolizzengeschäft wahrgenommen haben. Bei der APK-Versicherung erklärt man etwa in diesem Zusammengang: "Der Beratungsprozess als solches ist für den unabhängigen Berater komplexer geworden, jedoch hatte dies bis auf die administrativen Mehraufwendungen keine Auswirkungen auf den Vertrieb.“

Etwas mehr ins Detail geht dann Johanna Bröcker, Leiterin der Produktentwicklung bei Standard Life Deutschland und Österreich: "Grundsätzlich begrüße ich das Anliegen der Aufsicht, die Transparenz für Kunden zu erhöhen. Allerdings haben die eingeführten Priip-Dokumente eher mehr Fragen als Antworten für Berater und ihre Kunden aufgeworfen. In einem Beratungsgespräch wird klassisch über die Art des Produkts informiert und dabei die dazugehörige Modellrechnung genutzt. Schwer verständlich sind neben den darzustellenden vier Performanceszenarien auch die Kosten. Fondspolizzen haben zu eigen, dass sie meist mehr als nur ein Investment zur Verfügung stellen. Die Verordnung beschreibt mehrere mögliche Darstellungswege, lässt bei den Berechnungsverfahren aber auch Punkte komplett offen beziehungsweise lässt sie im Ermessensspielraum des Anbieters. Dadurch konterkariert sich die ursprüngliche Idee, denn es ist nur sehr schwer möglich, Produkte miteinander zu vergleichen. Bis dato finden die neuen BIBs im täglichen Einsatz kaum Beachtung."

Datenlieferung
In der Praxis müssen viele Informationen, die in den BIBs enthalten sind, ohnehin von den Fondsgesellschaften zugeliefert werden. Dies sorgte im Vorfeld für Unruhe, da die Versicherungen befürchteten, dass die Fondsanbieter die Daten nicht rechtzeitig liefern werden können. Über die Zusammenarbeit mit den Fondsanbietern befragt, zeigen sich aktuell jedoch immerhin acht von zehn Versicherungen durchaus zufrieden. "Die Zusammenarbeit mit den Fondsgesellschaften verlief ­kooperativ und friktionsfrei, alle Anbieter ­haben die erforderlichen Informationen geliefert“, erklärt man etwa bei der Nürnberger Versicherung. Da ein Fondsverkauf ohne die für die Priip-Blätter notwendigen Informationen rechtlich unmöglich wäre, liegt es natürlich auf der Hand, dass die Fondsgesellschaften ein großes Interesse an der Zusammenarbeit haben.

Was passiert, wenn diese nicht funktioniert, bringt Gerhard Heine, Leiter Maklervertrieb der Wiener Städtischen Versicherung, auf den Punkt: "Für den Fall, dass nicht ausreichend Daten zur Verfügung gestellt werden können, wird der Fonds aus dem Angebot genommen."

In der Praxis ist nicht alles ganz so rund gelaufen. So schildert Bröcker: "Anfänglich waren der ­Inhalt der Verordnung und dadurch auch der Umfang sowie die Berechnungsmethoden für viele neue Kennzahlen unbekannt. Auch die Bereitschaft zu Bereitstellung der Daten war bei vielen Gesellschaften nicht vorhanden. Das Verständnis, dass Produktanbieter die Investmentfonds als mögliche Anlageoptionen anbieten, ist nun bei fast allen Gesellschaften vorhanden, sehr viele stellen entsprechende Daten zur Verfügung. Herausforderungen gibt es dennoch: Einige internationale Häuser stellen nur Daten mit englischen Textbausteinen für die Beschreibung des Anlageziels oder der ­Risikohinweise zur Verfügung. Und da die Verordnung eine Ucits-Ausnahmeregelung hat, werden von einigen Gesellschaften in der Datenlieferung nur Fragmente zur Verfügung gestellt."

Fondspalette
Zu der anfangs befürchteten massiven Einschränkung in der Auswahl an Drittfonds ist es rückblickend nur vereinzelt gekommen. So geben zwar sechs Versicherungen an, dass sie die Fondsanzahl derzeit nicht erhöhen möchten, vier wollen die Auswahl im laufenden Jahr jedoch ausbauen oder haben dies bereits getan. Mit Juni 2018 hat etwa die Generali ihre Fondspalette grundlegend überarbeitet. Der Fokus liegt nun auf vermögensverwaltenden Fonds.

Und bei der Nürnberger Versicherung erklärt man, dass das Fondsangebot Anfang des Jahres ausgebaut wurde und die Aufnahme neuer Fonds für 2019 geplant ist. Deutlich umfangreicher fiel der Ausbau bei Standard Life aus: Vor einigen Wochen wurden dort mehr als 60 neue Fonds ins Fondsuniversum aufgenommen. "Dabei haben wir die Palette um Fonds unseres Investmentpartners Aberdeen Standard Investments erweitert, aber auch Produkte anderer renommierter ­Gesellschaften wie Acatis, Flossbach von Storch, Comgest, Jupiter, Blackrock oder First Private aufgenommen", erklärt die Leiterin der Produktentwicklung. 

Insgesamt sieben der befragten Versicherungen zeigen sich mit dem bisherigen Jahresverlauf des Fondspolizzengeschäfts zufrieden und berichten von einer steigenden Nachfrage. Insofern überrascht es nicht, dass auch neue Produkte in Planung sind. Noch bis ­Ende des Jahres wird die Generali mit Generali Life Invest eine neue fondsgebundene Lebensversicherung mit Einmalprämie vorstellen. Weiters erklärt Vertriebsleiter Heine von der Wiener Städtischen: "Am Markt sehen wir eine große Nachfrage nach Lösungen, die einen Mix aus klassischer Lebensversicherung und Fondsveranlagung bieten. Im kommenden Jahr werden wir ein entsprechendes neues Einmalerlagsprodukt auf den Markt bringen." Ebenso wird die Continentale Versicherung voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres ­eine neue Fondspolizze präsentieren. (gp)


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