Die Möglichkeit, innerhalb von fondsgebundenen Lebensversicherungen einzelne Fonds auszuwechseln, ist kein Novum. Seit vielen Jahren bieten viele Anbieter diese Option an, und genauso lange wird sie von der Mehrheit der Kunden nicht genutzt.

Die Gründe dafür wurden nie untersucht, liegen aber auf der Hand. Woher sollte ein Anleger wissen, dass er Fonds A verkaufen und stattdessen Fonds B kaufen sollte? Und selbst wenn er das wüsste – wird der Switch "zu Fuß" durchgeführt, ist er doch ­einigermaßen zeitraubend und mit Unsicherheit bezüglich des Abrechnungskurses versehen. Zumindest für die 70.000 Fondspolizzenkunden der Nürnberger Versicherung trifft Letzteres nun nicht mehr zu.

Ihnen steht seit kurzem eine webbasierte Software zur Verfügung, die auf elektronischem Weg täglich eine unkomplizierte Änderung der Fonds­zusammenstellung innerhalb laufender Verträge ermöglicht (siehe auch Klickstrecke oben). "Nun ist die Abwicklung des Fondswechsels sehr einfach. Nach vorheriger Autorisierung hat der Kunde Zugriff auf seine bestehenden Fonds mit der Darstellung seiner Fondsanteile und der Aufteilung seiner laufenden Prämie. Er kann daraufhin einzelne Fonds teilweise oder komplett verkaufen und in neue Fonds investieren beziehungsweise die ­laufende Prämie neu festlegen. Der Fondswechsel wird mit den Fondskursen vom folgenden Börsentag durchgeführt", ­erklärt Nürnberger-Vorstand Philip ­Steiner.

Lösung auch für Vermögensberater und Versicherungsmakler interessant
Das Problem mit der Entscheidung bezüglich der auszutauschenden Fonds ist damit zwar nicht gelöst, womit bei unbetreuten Kunden wohl alles beim Alten bleibt, für eine ganz andere Kundengruppe wird nun aber plötzlich die Fondspolizze deutlich interessanter: für Anleger, die ihr Fondsportfolio sehr aktiv verwalten.

Denn aus steuerlicher Sicht ist die Versicherungsvariante des Fondssparens deutlich attraktiver als ein konventionelles Depot. Vier Prozent Versicherungsteuer nehmen sich neben 25 beziehungsweise 27,5 Prozent KESt doch deutlich attraktiver aus. Aus Beratersicht weist diese Inves­titionsvariante ein weiteres Plus auf: Sie fällt nicht unter die EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente Mifid II, sondern unter die wenig komplizierte EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD. Und das macht die Lösung auch für Vermögensberater und Versicherungsmakler interessant, die bisher keine Fondspolizzen eingesetzt haben. 

Kostenvorteile
Der Wiener Finanzprofi Oliver Lintner will etwa in Zukunft verstärkt auf Fondspolizzen setzen: "Nach aktuellem Stand der Dinge bleibt die FLV ein Eldorado, wenn es um die Dokumentation geht." Ein weiterer Vorteil der Polizze bestehe darin, dass monatliche Sparraten völlig frei auf die unterschiedlichen Fonds aufgeteilt werden können, eine Mindestsumme von beispielsweise 50 oder 100 Euro, wie man sie bei Direktinvestments im Fondsdepot kennt, gebe es hier nicht.

Lintner bezweifelt allerdings, dass es sinnvoll ist, dem Endkunden die Möglichkeit zu geben, selbst zu gestionieren, für sich selbst und seine ­Arbeit sieht er in dem neuen Angebot jedoch einen großen Vorteil. "Mir gefällt das Tool, es ist innovativ, und die Konditionen passen. Zudem hat die Nürnberger einen guten Namen. Es macht jedenfalls Sinn, die Kundenportfolios über eine Fondspolizze zu verwalten, die Kosten sind durch den ungezillmerten Tarif verhältnismäßig günstig, und aufgrund der steuerlichen Behandlung ist es der optimale Weg für einen längerfristigen Vermögensaufbau", ist sich Lintner sicher. 

Ungezillmerter Tarif
Der Hinweis auf ungezillmerte Tarife ist dabei nicht unwesentlich. Berechnungen zeigen, dass bei Verträgen mit Zillmerung die Kosten der Polizze den Steuervorteil teilweise oder ganz auffressen. Berater verdienen bei ungezillmerten Polizzen bekanntlich beim Abschluss weniger, allerdings zeigen die Zahlen der Nürnberger einen interessanten Nebeneffekt. "Ein Viertel des FLV-Geschäfts wird bereits mit Polizzen gemacht, bei denen die Provi­sion laufend ausgezahlt wird. Das Besondere dabei ist die Tatsache, dass es sich dabei nur um ein Zehntel der Verträge handelt. Die durchschnitt­liche Prämie liegt bei uns im Monat bei 100 Euro, bei unserem ungezillmerten Tarif liegt sie jedoch bei 250 bis 300 Euro pro Monat." Wenn Kunden bereits sind, in der ungezillmerten Variante höhere Sparraten zu ­investieren, erhöht sich auch die laufende Provision. 

All das gilt nur bei Verträgen mit entsprechend langen Laufzeiten; auch Steiner bestätigt, dass bei kurzfristigen Veranlagungen konventionelle Fondsdepots vorzuziehen sind. Zielgruppe sind daher langfristig denkende Anleger: "Bei einer Veranlagungsdauer von zehn bis 20 Jahren ist die Fondspolizze allerdings definitiv die bessere Wahl. Jedes Mal, wenn ich im Wertpapier­depot einen Fonds verkaufe, müsste ich schließlich die Gewinne versteuern." 
Das neue Angebot der Nürnberger Versicherung, das erstmals auf dem FONDS professionell Kongress Anfang März in Wien vorgestellt wurde, wird inzwischen auch schon von einigen Vertriebspartnern genutzt. Auch Banken, so hofft Steiner, könnten es einsetzen: "Gerade im Hinblick auf Mifid II sehe ich hier eine interessante Alternative. Viele Banken suchen immer nur nach Lösungen innerhalb der Mifid-Welt und vergessen dabei, auf mögliche Lösungen außerhalb dieser Welt zu achten. Mit einigen Banken sind wird bereits im Gespräch." (gp)


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