Wie dem dieser Arbeitswoche von der Österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) veröffentlichten Jahresbericht über die Lage der österreichischen Pensionskassen zu entnehmen ist, entwickeln sich die heimischen Pensionskassen durchaus stabil. Das zeigt beispielsweise ein Blick auf die Eigenmittel. Diese sind in den vergangenen Jahren in Einklang mit dem verwalteten Vermögen (22,4 Mrd. Euro) gestiegen und machten per Jahresende 2017 rund 349 Millionen Euro aus.

Im Vergleich mit dem gesetzlichen Eigenmittelerfordernis wiesen die Pensionskassen damit eine Überdeckung von rund 66 Prozent aus. Damit sind zumindest aus derzeitiger Sicht die Pensionen für rund 940.000 Personen gesichert. Von diesen Bürgern beziehen rund elf Prozent bereits eine Leistung. Insgesamt beträgt der Anteil der aktiven Personen, die einen Anspruch (Anwartschaft) auf eine Pensionskassenpension haben, rund 22 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen in Österreich.

5,3 Prozent historische Durchschnittsperformance
Langfristig sind die von den österreichischen Pensionskassen erwirtschafteten Erträge laut FMA "deutlich positiv“. So betrug seit Einführung des Pensionskassenwesens in Österreich im Jahr 1990 die durchschnittliche Jahresperformance immerhin 5,3 Prozent. Im vergangenen Gesamtjahr wurde ein Ertrag von 6,1 Prozent erwirtschaftet. Zum Vergleich: im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bewegte sich die Performance-Bandbreite zwischen null und neun Prozent.

Dieses Jahr läuft es weniger gut: In einem schwierigen Umfeld am Kapitalmarkt ist die Performance der Kapitalanlage zuletzt deutlich zurückgegangen – über die ersten drei Quartale des Jahres 2018 lag sie bei minus ein Prozent.

Immer weniger Pensionskassen
Wie die FMA in ihrem Bericht des Weiteren schreibt, findet aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und des sich verändernden regulatorischen Umfelds im österreichischen Pensionskassen-Sektor seit einigen Jahren eine Konsolidierung statt. Diese sei insbesondere im Segment der betrieblichen Pensionskassen spürbar. So hat sich seit 2006 die Anzahl der Pensionskassen halbiert.

Die größten Pensionskassen (VBV, Valida Pension und APK) verwalten die meisten Begünstigten und das größte Vermögen. Die Bundespensionskasse (BPK) hat die meisten Begünstigten unter Verwaltung, das gesamte Vermögen liegt allerdings knapp unter einer Milliarde Euro. 

Unterschiedliche Trends
Die Stabilität des Systems werde laut FMA dadurch aber nicht beeinflusst, da die Pensionskassenzusagen in der Regel auf andere Anbieter übertragen werden. Die Anzahl der "Veranlagungs- und Risikogemeinschaften“ (VRG) sei zwar seit einigen Jahren rückläufig, es würden aber gleichzeitig neue "Sub-Veranlagungsgemeinschaften“ eingerichtet, um in den größeren Risikogemeinschaften kleinere Anlagekollektive mit unterschiedlichen Investmentschwerpunkten zu ermöglichen. Die Höhe des verwalteten Vermögens bleibe dadurch unberührt. Das Volumen des verwalteten Vermögens steigt vielmehr kontinuierlich an, im letzten Jahr ist es etwa um 1,6 Milliarden Euro gewachsen.

Wie die FMA darüber hinaus berichtet, hätte sich ungeachtet von der jeweiligen VRG-Risikokategorie die VRG-Performance in den letzten 20 Jahren weitgehend im Gleichklang mit dem amerikanischen S&P 500-Aktienindex entwickelt und das verwaltete Vermögen mehr als verdoppelt.

Regulierung bringt Veränderungen mit sich
Der Pensionskassensektor Österreichs steht vor einem regulatorischen Wandel im Bereich der Kapitalanlage. Mit Anfang 2019 treten EU-weit die Bestimmungen der neuen Europäischen Pensionsfondsrichtlinie IORP II (Institutions for Occupational Retirement Provision) in Kraft, die in Österreich im Pensionskassengesetz (PKG) umgesetzt werden.

Das PKG stellt es den Pensionskassen bereits jetzt frei, zu entscheiden, in welche Assets sie investieren. Sie waren dabei bisher aber an quantitative Anlagegrenzen gebunden. Künftig werden die Pensionskassen ihre Anlagepolitik gänzlich frei gestalten können. Sie müssen im Gegenzug aber auch höhere regulatorische Anforderungen im Bereich des Risikomanagements erfüllen.

Für die Vorstände der FMA, Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller, fällt die Umstellung in eine herausfordernde Phase. "Wir müssen in den kommenden Jahren weiter mit einer volatilen Entwicklung an den Kapitalmärkten rechnen, die hohe Anforderungen an das Risikomanagement der Unternehmen stellt. Wir haben daher die Latte hoch gelegt und am österreichischen Pensionskassenmarkt bereits jetzt hohe Standards etabliert. Wir sind gut auf das neue Regime vorbereitet“, so Ettl. Dazu ergänzt sein Vorstandskollege Kumpfmüller: "Freiheit in der Kapitalanlage heißt nicht laissez-faire, sondern noch mehr Eigenverantwortung in den Unternehmen. Als FMA werden wir im nächsten Jahr darauf achten, dass die Pensionskassen keine Risiken eingehen, die ihr Risikomanagement überfordern.“ (aa)