Die Europäische Kommission hat der Vienna Insurance Group (VIG) grünes Licht für die Akquisition des Aegon-CEE-Geschäfts gegeben. Das teilt der Versicherer mit, der Ende November 2020 einen Kaufvertrag zum Erwerb der Aegon-Gesellschaften in Ungarn, Polen, Rumänien und der Türkei unterzeichnet hat.

Die Übernahme befindet sich derzeit aufgrund einer Weigerung durch das ungarische Innenministerium in der Schwebe. Dieses sprach im April 2021 ein "Nein" aus, während die VIG davor in Gesprächen mit dem Finanzministerium positive Signale erhalten hatte. Insider vermuten daher hinter der Blockade eine politische Entscheidung. In dem Land, das unter dem seit dem Jahr 2010 amtierenden rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban eine starke Nationalisierung erfahren hat, stehen kommendes Jahr Parlamentswahlen an.

Ungarn will ausländische Unternehmen zurückstutzen
Das ungarische Innenministerium argumentierte damals gegenüber der VIG, man wolle keinen Verkauf an ein ausländisches Unternehmen. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass kein inländisches Versicherungsunternehmen auf dem von ausländischen Playern dominierten Markt groß genug ist, um den Deal zu stemmen (die VIG zahlt der niederländischen Aegon für das gesamte Paket 830 Millionen Euro). Es ist auch kaum zu erwarten, dass die börsennotierte VIG Beteiligungsmodelle akzeptieren würde, in denen der ungarische Staat größeren Einfluss erhält.

Ein Beobachter aus der VIG interpretiert das "Go" der EU, das für Kommissionsbelange vergleichsweise rasch nach dem Nein der Ungarn kam, als Unterstützung. Auch VIG-Generaldirektorin Elisabeth Stadler hofft weiter auf einen Deal: "Wir sind nach wie vor in konstruktiven Gesprächen mit dem ungarischen Finanzministerium, um Möglichkeiten für einen positiven Abschluss der Akquisition abzuklären", so Stadler in einer Aussendung. Man werte die wettbewerbsrechtliche Zustimmung der Kommission "auch als positives Zeichen für weitere Abstimmungen", so Stadler. Eine Freigabe für die Übernahme der Aegon-Gesellschaften liegt laut Aussendung bereits von der türkischen Wettbewerbsbehörde vor. (eml)