Dürrefolgen rücken in den Fokus der Finanzbranche
Die anhaltende Trockenheit verursacht in Österreichs Landwirtschaft Milliardenschäden. Erste Bank und Sparkassen reagieren mit einer Soforthilfe für betroffene Betriebe. Auch Asset Manager und Rückversicherer beschäftigen sich zunehmend mit den wirtschaftlichen Risiken von Hitze und Dürre.
Die anhaltende Trockenheit hat in Österreichs Landwirtschaft heuer bereits Schäden von rund einer Milliarde Euro verursacht. Nun reagieren Finanzunternehmen auf die Folgen: Erste Bank, Tiroler Sparkasse und Sparkasse Hainburg legen für betroffene landwirtschaftliche Betriebe eine eigene Dürre-Soforthilfe auf. Gleichzeitig rücken Hitze und Trockenheit auch bei Asset Managern und Rückversicherern stärker als wirtschaftliches Risiko in den Fokus.
Konkret stellen die drei Institute der Erste Bank landwirtschaftlichen Betrieben mit nachweisbaren Ertrags- oder Einkommensausfällen einen zinsen- und spesenfreien Überziehungsrahmen von bis zu 25.000 Euro zur Verfügung. Die Finanzierung soll kurzfristige Liquiditätsengpässe überbrücken und wird unabhängig von möglichen späteren staatlichen Hilfen angeboten.
Umfassendes Dürre-Entlastungspaket gefordert
Dass der Finanzierungsbedarf wächst, zeigt auch eine aktuelle Forderung der Land&Forst Betriebe Österreich. Der Verband verlangt ein umfassendes Dürre-Entlastungspaket, das betroffenen Betrieben rasch finanziellen Spielraum verschaffen soll. Vorgesehen sind aus Sicht des Verbands zinsgestützte Kredite, ein Düngerkostenzuschuss sowie eine möglichst frühe Auszahlung von Direktzahlungen und Prämien aus dem österreichischen Agrarumweltprogramm ÖPUL. Die Kredite sollen kurzfristige Liquiditätsengpässe überbrücken und helfen, laufende Verpflichtungen trotz dürrebedingter Einnahmeausfälle zu erfüllen.
Auch Vermögensverwalter befassen sich inzwischen intensiver mit dem Thema. Allianz Global Investors (Allianz GI) etwa spricht in einer aktuellen Analyse von Hitze als einem möglichen "neuen Versorgungsschock". Ein starker El Niño treffe derzeit auf eine bereits wärmere Welt und könnte dadurch die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie zusätzlich unter Druck setzen, schreibt der Asset Manager. Dabei richtet Allianz GI den Blick zugleich auf mögliche Investitionsfelder: Von Bewässerungstechnologien und Wassermanagement über Stromnetze und Batteriespeicher bis hin zu Energieeffizienz und Kühlung.
Munich Re warnt vor indirekten wirtschaftlichen Folgen
Rückversicherer beschäftigen sich ebenfalls mit den finanziellen Folgen extremer Hitze. Munich Re weist darauf hin, dass sich diese häufig nicht in klassischen Sachschäden niederschlagen. Die wirtschaftlichen Folgen zeigten sich vielmehr unter anderem in sinkender Produktivität, Produktionsstillständen, Infrastrukturproblemen, Transportausfällen und Ernteverlusten. Heiße und trockene Perioden erhöhten zudem das Risiko von Waldbränden.
Dass diese Risiken nicht nur theoretischer Natur sind, zeigt inzwischen auch der Blick auf die Agrarmärkte. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hat in seinem jüngsten Weltmarktbericht die Prognose für die EU-Weizenproduktion nach unten korrigiert. Bei Mais verweist das Ministerium ausdrücklich auf extreme Hitze und Trockenheit in wichtigen europäischen Anbaugebieten, die die Ertragsaussichten belasten. Zugleich wurden die erwarteten Maisimporte der EU angehoben. (cf)















