Christoph Bachlechner hat mit Jahresbeginn die Leitung des Partnervertriebs der Wiener Städtischen Versicherung übernommen. Der langjährige Vertriebsexperte ist seit rund 20 Jahren im Unternehmen tätig und war bereits seit April 2025 als Stellvertreter in die strategische Arbeit eingebunden. In seiner neuen Funktion will er vor allem die regionale Betreuung stärken und gleichzeitig die Digitalisierung weiter vorantreiben.

Ein zentrales Projekt sei aktuell eine umfassende Ausbildungsoffensive für Partnerbetreuerinnen und Partnerbetreuer. "Es handelt sich dabei um die größte Initiative dieser Art seit vielen Jahren", betont Bachlechner. Ziel sei es, die hohe Betreuungsqualität sowie die persönliche Nähe zu Vertriebspartnern in allen Bundesländern langfristig sicherzustellen.

Konsolidierung verändert den Markt
Der Versicherungsmarkt habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Laut Bachlechner führen steigende regulatorische Anforderungen und der zunehmende Verwaltungsaufwand dazu, dass sich immer mehr kleinere Makler zusammenschließen oder größeren Einheiten anschließen.

"Unsere Branche ist stark reguliert, und es kommen laufend neue Anforderungen hinzu", erklärt Bachlechner. Besonders kleinere Vermittler würden dadurch zunehmend unter Druck geraten. Gleichzeitig beobachtet er einen deutlichen Generationswechsel in der Branche. Viele Vermittler hätten Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden.

Großes Potenzial sieht Bachlechner zudem bei Frauen im Vertrieb. Diese seien trotz hoher sozialer Kompetenz weiterhin unterrepräsentiert. Die Wiener Städtische versuche daher gezielt, junge Talente und Wiedereinsteigerinnen für die Branche zu gewinnen – unter anderem durch die Unterstützung des Jungmakler-Awards.

Digitalisierung soll Prozesse erleichtern
Die Digitalisierung spiele im Partnervertrieb eine zentrale Rolle, dürfe jedoch nicht zum Ersatz persönlicher Beratung werden. Besonders bei komplexen Themen wie Vorsorge oder Absicherung bleibe Vertrauen entscheidend.

"Digitalisierung kann den Beratungsprozess unterstützen, aber nicht ersetzen", sagt Bachlechner. Die Wiener Städtische habe in den vergangenen Jahren massiv in digitale Prozesse investiert. Mittlerweile werde ein Großteil der Anträge digital abgewickelt. Zusätzlich stehen Vertriebspartnern digitale Beratungstools zur Verfügung.

Auch künstliche Intelligenz gewinnt zunehmend an Bedeutung. Derzeit komme KI vor allem in der Schadensabwicklung zum Einsatz, etwa beim Auslesen von Rechnungen oder bei Leistungsfällen. Künftig sollen KI-Anwendungen auch im Vertrieb stärker genutzt werden – beispielsweise bei der automatisierten Angebotserstellung oder Dokumentenerkennung.

Lebensversicherung wächst deutlich
Besonders positiv entwickelt sich laut Bachlechner derzeit die Lebensversicherung. Vor allem fondsgebundene Produkte mit ETFs und globalen Aktienfonds würden hohe Zuwächse verzeichnen. Gleichzeitig bleibe die klassische Lebensversicherung weiterhin relevant, insbesondere im Bereich Absicherung.

Großes Wachstumspotenzial sieht die Wiener Städtische außerdem in der betrieblichen Altersvorsorge. Dort sei das Unternehmen mit einem Marktanteil von rund einem Drittel bereits Marktführer und wolle diese Position weiter ausbauen.

Kritik an Überregulierung
Kritisch äußert sich Bachlechner zu einzelnen regulatorischen Entwicklungen auf EU-Ebene. Ein mögliches Provisionsverbot hätte seiner Ansicht nach vor allem kleinere Anlagebeträge und Vermittler belastet.

"Regulatorik ist grundsätzlich wichtig und hat ihre Berechtigung. Allerdings besteht immer die Gefahr der Überregulierung", sagt Bachlechner. Positiv bewertet er hingegen die zunehmende Förderung elektronischer Kommunikation, die sowohl die Kundenbetreuung verbessere als auch ökologische Vorteile bringe.

Altersvorsorge bleibt zentrale Herausforderung
Große Herausforderungen sieht Bachlechner weiterhin im Bereich Altersvorsorge. Die demografische Entwicklung setze das Pensionssystem zunehmend unter Druck. Deshalb müsse sowohl die betriebliche als auch die private Vorsorge stärker gefördert werden.

Trotz aller Veränderungen blickt Bachlechner optimistisch auf die Zukunft der Branche. Versicherungen würden gerade in unsicheren Zeiten an Bedeutung gewinnen. Entscheidend werde jedoch sein, mehr junge Menschen für die Branche zu begeistern und das Berufsbild attraktiver zu machen. (gp)


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