Garantiefonds sind ein Relikt aus der Zeit, als es noch Zinsen gab. Lange Zeit wurden fondsgebundene Lebensversicherungen (FLV) damit bestückt, um auch risikoaverse Anleger ansprechen zu können. Mittlerweile gibt es sie jedoch kaum noch. FONDS professionell hat in einem Artikel, der in der aktuellen Ausgabe 4/2020 erschienen ist, recherchiert, wo es noch Garantiefonds gibt und welche Alternativen heute angeboten werden.

Die spärliche Existenz von Garantiefonds fällt heute hauptsächlich dann auf, wenn wieder ein Produkt "das Handtuch wirft". Unlängst fiel etwa beim "C-Quadrat Arts TR Garant", den mehrere Versicherer in der FLV hatten, die 80-prozentige Höchststandsgarantie weg. Das Garantiemodell ist in der anhaltenden Tiefzinssituation schlicht nicht mehr rentabel. Stattdessen strebt der Fonds, der nun C-Quadrat Arts Total Return Value Invest Protect heißt, Wertsicherungsziele an: Der tägliche Anteilswert soll mindestens 90 Prozent des Höchstwerts der vorangegangenen zwölf Monate erreichen. Ähnlich ging es in den Jahren davor bereits den Kunden zahlreicher anderer Lebensversicherungen. Beobachtern wird noch das Aus der DWS-Flexpension-Tranchen in den Jahren 2016 und 2019 in Erinnerung sein, die etwa bei HDI, Zurich, oder Generali zum Einsatz kamen.

Garantiefonds sind ein Spagat zwischen Kapitalmarktprofiten und Risikoeliminierung, der funktionierte, als es noch Zinsen gab. Infolge diverser Finanzmarktkrisen wurden diese Produkte – beginnend mit der Dotcom-Blase im Jahr 2000 – reihenweise "ausgestoppt": Die Turbulenzen verursachten so hohe Wertverluste, dass gerade noch genug Kapital blieb, um am Laufzeitende die versprochenen Rückzahlungen zu leisten. Anstatt die Erholung der Aktienkurse mitzumachen, mussten diese Vermögen in sichere geldmarktnahe Anlagen umgeschichtet werden, die bekanntlich heute der Tod jeder Rendite sind. Damit haben die Produkte zwar ihren Garantiezweck, die Kapitalsicherung, erfüllt, aber weitere Wertgewinne sind im "Cash-Lock" unmöglich.

Typisch österreichisch
Garantiefonds seien "etwas typisch Österreichisches", sagt Dietmar Rupar vom Fondsverband VÖIG. "Sie wurden geschaffen, um die Leute an die Kapitalmärkte heranzuführen. Aber wenn ich schon von der Entwicklung an den Märkten profitieren möchte, sollte ich mir nicht die Rendite durch teure Garantien kaputt machen", so Rupar.

Diese Ansicht teilen grundsätzlich alle Fachleute, Fakt ist aber auch, dass ein solches Produkt Versicherungskunden anspricht, die sonst keine Aktieninvestments wagen würden. "Das sukzessive Verschwinden von Garantiefonds sehen wir als Verlust eines wichtigen Anlagesegments, was eine Einschränkung für alle risikoaversen Anleger, für Produktanbieter und Berater darstellt", sagt Erwin Mollnhuber, Vertriebsvorstand der Nürnberger Versicherung. Immerhin konnte die Nürnberger den unhaltbaren "Garantien" zumindest Wertsicherungsziele nachfolgen lassen. Auch andere Versicherungen haben sich in den vergangenen Jahren bemüht, die entstandene Lücke im Produktsortiment durch alternative "wertbasierte" Angebote zu schließen.

Risikotragfähigkeit
Hier ein kurzer Überblick, der in der Heftausgabe und im E-Magazin von FONDS professionell genauer dargesellt wird: HDI Leben bietet etwa Kunden, die sich gern entlang definierter "Sicherheitslinien" orientieren, acht hauseigene Port­folios an, die nach dem Value-at-Risk-Ansatz (VaR) gemanagt werden. Zurich wiederum hat den Tarif Zurich Premium Invest geschaffen, ein I-CPPI-Wertsicherungskonzept, das ­Absicherungsniveaus zwischen 50 und 80 Prozent der Sparprämien anstrebt. Eine weitere am Markt häufig zu sehende Alternative sind Hybridprodukte, die beim sicheren Deckungsstock andocken. "Wir sind überzeugt, dass der klas­sische Deckungsstock als Beimischung zu einer fondsgebundenen Lebensversicherung derzeit die beste Lösung ist, um ­Ertragschancen mit einem Mindestmaß an Sicherheit zu kombinieren", sagt etwa ein Sprecher der Wiener Städtische Versicherung.

Eine andere Variante wählt Generali, die Kunden als Alternative vermögensverwaltende Investmentfonds empfiehlt. Vorstandschef Martin Sturzlbaum nennt hier etwa den Generali Vermögensaufbau-Fonds, dessen Manager auf die Einhaltung von Wertuntergrenzen abzielen. Einen Gegenentwurf zur Abkehr von Garantien in der FLV legt hingegen die FWU Leben vor. 2018 kam der "Forward Quant" an den Start, ein Tarif mit echter Kapitalgarantie. FWU Leben  sieht sich als einziger Anbieter mit einem derartigen Konzept. (eml)


Den gesamten Artikel können Sie im E-Magazin (Anmeldung erforderlich) oder in der aktuellen Heftausgabe 4/2020 von FONDS professionell lesen. Darin sehen Sie unter anderem auch, welche Versicherungen überhaupt noch echte Garantiefonds im Sortiment haben.