Der IVVA, der Interessensverband der österreichischen Versicherungsagenten, zeigt sich in einer Aussendung irritiert, weil die Allianz Versicherung ihre Annahmerichtlinien ändert. Demnach können seit 1.Mai 2020 Vermittler, die für die Allianz tätig sind, nur mehr Anträge mit der zwingenden Angabe von Handynummer und E-Mailadresse einreichen, heißt es in einer Aussendung.

Angst, dass Geschäft abgegraben wird
Der IVVA hat Sorge, dass die Vermittler künftig übergangen werden könnten, oder, dass der Versicherer das verstärkte Direktgeschäft ohne Vermittler vorbereitet. Es bestehe die Frage, ob das Unternehmen künftig direkt Kontakt aufnehmen kann, ohne die Vermittler einzubinden. Zu Problemen könne die Regelung auch bezüglich der Datenschutzgrundverordnung DSGVO führen.

Es geben Kunden, die solche Daten aus Gründen der Privatsphäre zwar ihrer jahrelangen Vertrauensperson (dem Agenten), nicht aber einem Konzern mitteilen wollen. Es bestehe die Frage, ob diese Kunden dann auf einen Versicherungsschutz der Allianz verzichten sollen. Außerdem gebe es Interessenten oder Kunden, die kein Handy oder keine Mail-Adresse besitzen. 

Makler in besserer Position
Durch die Regelung könnte der Online-Kanal der Versicherung eine Konkurrenz werden, die die Agenten überflüssig macht: "Hat man alle Daten, benötigt man keine Vermittler mehr", schreibt der IVVA. Die Agenten befänden sich hier in einer schlechteren Position als die ungebundenen Versicherungsmakler, letztere müssten solche Richtlinien nicht akzeptieren, weil sie den Kunden auch anderweitigen Versicherungsschutz anbieten.

Das wiederum könne zu einer Ungleichbehandlung der Vertriebsschienen (Makler, Agenten) führen. Agenten könnten sich durch das Abhängigkeitsverhältnis nicht so einfach oder gar nicht (falls Ausschließlichkeit) vom Versicherer lösen und eine Alternative anbieten, heißt es.

Beim IVVA heißt es, die Allianz sage auch, dass man diese Daten benötigt, um im Schadensfall direkt mit dem Kunden Kontakt aufnehmen zu können. Doch das sei kritisch zu sehen, da auch in diesem Fall der langjährige Partner des Kunden – nämlich der Agent –  übergangen werde. Immerhin sei es eine seiner wichtigsten Aufgaben, dem Kunden im Schadensfall bestmöglich zu helfen und damit das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.

Allianz: "Wichtig, Kunden zu erreichen"
Die Allianz hingegen verweist darauf, dass direkter Kundenkontakt gerade in schwierigen Zeiten sinnvoll sei. Die aktuellen Umstände würden zeigen, wie wichtig es ist, die Kunden digital erreichen zu können. "Viele Menschen, die digitalen Tools vor der Covid-19-Krise wenig Bedeutung zugemessen haben, wissen heute diese Möglichkeiten zu schätzen", sagt ein Sprecher. "Damit die Kunden digital bestmöglich erreichbar sind, werden deren Kontaktdaten benötigt", heißt es gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Bei akuten Versicherungsangelegenheiten sei es besonders wichtig, direkt in Kontakt treten zu können, einerseits telefonisch, aber auch per Mail, damit es zu einer raschen Übermittlung von Daten kommen kann. "Fehlen im Schadenfall Informationen, können sie direkt und ohne Umwege eingeholt werden", so der Sprecher. "Es geht uns dabei aber keinesfalls darum, die Makler zu umgehen". Die Makler seien in alle Kommunikationsschritte eingebunden und immer "Herr des Schadens". (eml)