Der Wiener Markt für Eigentumswohnungen hat im ersten Halbjahr 2026 kräftig zugelegt: Das Transaktionsvolumen kletterte auf 1,62 Milliarden Euro und übertraf den Vergleichszeitraum des Vorjahres um 21 Prozent. Damit fehlen nur noch acht Prozent auf das Rekordhalbjahr 2022. Auch die Zahl der Abschlüsse stieg deutlich um 18 Prozent auf 4.290 Verkäufe. Das geht aus dem aktuellen "Wiener Wohnmarktbericht" von Otto Immobilien hervor. "Nach der Erholung 2025 zieht der Markt heuer noch einmal spürbar an und nähert sich wieder dem Niveau der Spitzenjahre. Käufer greifen wieder zu, bei Eigentumswohnungen genauso wie bei Häusern und Villen", sagt Geschäftsführer Eugen Otto.

Bestand verteuert sich, Erstbezug pendelt sich ein
Bei den Preisen laufen Bestand und Neubau auseinander. Bestandswohnungen verteuerten sich gegenüber Ende 2025 um 2,8 Prozent auf durchschnittlich 4.645 Euro je Quadratmeter. Erstbezugswohnungen von Bauträgern kosteten im Schnitt 7.395 Euro je Quadratmeter und damit praktisch gleich viel wie im Halbjahr davor. "Bei Bestandswohnungen sehen wir seit Jahresbeginn einen Preisauftrieb. Beim Erstbezug hat sich der Markt dagegen nach Zeiten rückläufiger Preise nun eingependelt – ein Zeichen dafür, dass Bauträger und Käufer wieder zu einer gemeinsamen Preisbasis gefunden haben", meint Sonja Kaspar, Leiterin Wohnen bei Otto Immobilien. Der Anteil der Bauträgerwohnungen am Transaktionsvolumen liegt mit knapp 33 Prozent weiterhin klar unter dem Durchschnitt vor der Zinswende von 45 Prozent.

Quelle: Otto Immobilien

Mietwohnungsbau bricht ein – Angebotspolster reicht bis Anfang 2027
Für die Anlageberatung noch relevanter ist ein anderer Wert: Der Anteil der von gewerblichen Bauträgern errichteten Mietwohnungen an allen Fertigstellungen sinkt von rund 18 Prozent (2025) und 21 Prozent (2026) auf nur noch etwa drei Prozent im Jahr 2027 – das entspricht rund 260 Einheiten. "Kein anderer Wert in unserem Bericht zeigt einen so starken Einbruch. Die Rahmenbedingungen der Bau- und der Finanzbranche haben private Bauträger und institutionelle Investoren aus diesem Segment weitgehend verdrängt", so Kaspar. Die Verknappung im gewerblichen Mietsegment lenkt die Nachfrage zurück in Richtung Eigentum. Noch fange das Angebot aus den vergangenen Jahren diesen Zusatzbedarf auf, dieses Polster dürfte aber Anfang 2027 aufgebraucht sein. "Danach kommt spürbar weniger nach. Durch diese Verknappung des Angebots werden Anlagewohnungen für Private wieder deutlich interessanter", sagt Kaspar. Vermittler von Vorsorge- und Anlagewohnungen haben damit ein absehbar begrenztes Zeitfenster, in dem Objekte noch aus dem bestehenden Angebot bedient werden können.

Ausblick: Kein Spielraum für Preissenkungen
Für das zweite Halbjahr erwartet Otto Immobilien eine Fortsetzung der jüngsten Entwicklung ohne sprunghafte Bewegungen. Im Bauträgersegment lassen hohe Kosten für Grundstücke, Errichtung und Finanzierung kaum Spielraum für Preissenkungen, im Bestand zeichnet sich eine weitere moderate Steigerung ab. (ae)