Nach durchschnittlich sieben Prozent im Jahr 2020 sind die Immobilienpreise in Österreich im abgelaufenen Jahr 2021 voraussichtlich um mehr als zehn Prozent gestiegen. Es handle sich um den stärksten Immobilienpreisanstieg seit dem Jahr 2012, heißt es in einer Aussendung der Unicredit Bank Austria. Auslöser ist demnach eine enorme Nachfrage angeheizt durch den hohen Wohnbedarf und den durch die Pandemie gestiegenen Wunsch nach einer Veränderung der Wohnsituation sowie der verstärkten Veranlagung in Sachwerte.

Umgelegt auf die Einkommen stellt sich die Situation für die Käufer dramatisch dar: Der Wert eines Jahresnettoeinkommens hat sich gemessen an den Immobilienpreisen deutlich verringert. "Der reale Wert eines durchschnittlichen österreichischen Nettoeinkommens bezogen auf den Immobilienpreisindex hat seit der Finanzkrise um über 40 Prozent und seit Beginn der Pandemie allein um rund 13 Prozent abgenommen", so Unicredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Der Rückgang der Zinsen für Wohnbaukredite habe zwar in den vergangenen Jahren den Häuslbauern geholfen, er konnte aber nur einen geringen Teil dieser Einbußen auffangen.

Zinssatz gesunken
Noch im Jahr 2008 habe der Zinssatz für einen Wohnbaukredit mit Fixzinssatz für zehn Jahre und mehr ist laut Statistik der OeNB durchschnittlich 5,6 Prozent betragen. Ende 2021 waren es nur noch 1,33 Prozent. Dadurch sei die monatliche Belastung für einen Kredit in Höhe von 100.000 Euro auf 20 Jahre von rund 700 auf heute nur noch 475 Euro gesunken. Eine monatliche Kreditrate von 700 Euro ermöglichte knapp vor der Pandemie eine Kreditsumme von 142.800 Euro und aktuell einen Betrag von 145.650 Euro.

Demgegenüber steht aber die drastische Preisentwicklung für einen Eigentumserwerb: Für eine Eigentumswohnung von 100 m² musste im Jahr 2021 ein unselbständig Beschäftigter rein rechnerisch mehr als 15 Jahresgehälter einsetzen, für ein Haus mit 100 m² rund 7,5 Jahresgehälter. Vor der Pandemie waren es um ein bis 1,5 Jahresgehälter weniger.

Mieten weniger stark gestiegen
Auch Mieten haben sich demnach spürbar verteuert. Sie stiegen seit dem Jahr 2008 um insgesamt 60 Prozent. Die Immobilienpreise haben sich jedoch verdoppelt, was Mieten im Vergleich zu Kauf weniger verteuerte.

Nach Ansicht der Bank-Austria-Ökonomen soll sich die Wohnimmobilienrallye 2022 mit geringerem Tempo fortsetzen. "Wohnraum wird sich 2022 in Relation zum Einkommen weiter verteuern, aber nicht mehr so stark, wie in den ersten beiden Jahren der Pandemie", heißt es. Der Höhepunkt der Rallye scheine überschritten. (eml)