Wer im Finanzkrisenjahr 2008 einen Wohnbaukredit aufnahm, dem verrechnete die Bank im Durchschnitt einen Zinssatz von 5,32 Prozent jährlich (alle Bindungszeiträume). Solche Werte wären wohl heute für viele Immobilienkäufer, die angesichts stark gestiegener Objektpreise bereits an ihr finanzielles Limit gehen, ruinös. Sie können sich seit Jahren auf sinkende Zinsen verlassen. Und seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 kam es noch einmal zu einer deutlichen Vergünstigung, wie Zahlen der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zeigen.

Zahlten die Kreditnehmer im März 2020 durchschnittlich noch 1,4 Prozent Zinsen p.a. für Wohnbaukredite, waren es im März 2021 nur noch 1,18 Prozent. Im April 2021 registrierte die OeNB einen leichten Aufwärtsbewegung auf 1,19 Prozent.

Mehr variable Kredite in Österreich
Die Werte befanden sich damit deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt von 1,33 Prozent, wie aus der Zins-Statistik Q2/2021 der OeNB hervorgeht. Ein Grund für die im Euroraum-Vergleich niedrigen Werte ist, dass es in Österreich weiterhin einen relativ hohen Anteil an variabel verzinsten Krediten gibt, wie die Experten schreiben.

Auffallend war demnach, dass in Österreich die Zinssätze mit sehr langen Bindungen weiter zurückgingen (von 1,56 Prozent auf 1,35 Prozent). Erstmals ist außerdem der Zinssatz für Kredite mit anfänglicher Zinsbindung von bis zu einem Jahr unter die ein-Prozent-Schwelle gesunken (von  1,18 auf 0,95 Prozent im März 2021).

Konsumkredite teurer
Gegensätzlich entwickelten sich hingegen die Kosten für Konsumkredite. Hier ist der Durchschnittszinssatz bei Neuvergaben in Österreich zwischen Februar 2020 und 2021 um 58 Basispunkte auf 5,62 Prozent gestiegen. Das ist mittlerweile mehr als im Rest des Euroraums, wo es einen Rückgang gab und der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für neue Konsumkredite nun mit 5,23 Prozent unter dem Österreich-Wert liegt. (eml)