Obwohl in den aktuellen Immobilienmarktberichten von Stimmungsaufhellungen und steigenden Transaktionszahlen die Rede ist, bleiben wesentliche Marktteilnehmer skeptisch. So zum Beispiel der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Das Jahr 2026 beginnt für die Immobilienwirtschaft mit außergewöhnlichen Herausforderungen, die nicht nur einzelne Details betreffen, sondern die grundlegenden Rahmenbedingungen für Vermietung, Verwaltung, Vermittlung und Investitionen nachhaltig verändern", meint Obmann Roman Oberndorfer.

Die Wirtschaftskammer hadert mit den "neuen gesetzlichen Eingriffen in bestehende Vertragsstrukturen und wachsenden regulatorischen Anforderungen". Denn neben den gestiegenen Baukosten und höheren Zinsen hat auch die zunehmende Regulierung das Marktumfeld in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Am 1. Jänner 2026 traten das Mietenwertsicherungsgesetz und neue Befristungsregelungen für Wohnimmobilien in Kraft. Außerdem plant die Regierung eine Mietrechtsreform. Das Mietenwertsicherungsgesetz ist laut WKÖ in der Praxis sehr komplex: Es schaffe zusätzliche Bürokratie und verunsichere bestehende Mietverhältnisse.

Rechtliche Risiken und Finanzierungsengpass
Oberndorfer kritisiert, dass die Kombination aus bereits umgesetzten Maßnahmen und angekündigten weiteren Eingriffen in der Branche zu spürbarer Rechtsunsicherheit führe. Das wirke sich direkt auf bestehende Mietverträge, Investitionsentscheidungen, Finanzierungsmodelle, Sanierungen und das künftige Wohnungsangebot aus. "Investitionen in Wohnraum benötigen stabile, verlässliche und langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen", fordert der WKÖ-Funktionär.

Nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen, sondern auch die Kapitalseite stellen für die Branche eine Herausforderung dar. Die WKÖ spricht von einem "Finanzierungsengpass" und davon, dass restriktive Kreditvergaben, hohe Eigenkapitalanforderungen und die Zurückhaltung der Banken "selbst wirtschaftlich solide und nachhaltige Projekte bremsen". Oberndorfer betont: "Ohne verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es keinen Neubau, keine Sanierung und damit kein ausreichendes Wohnungsangebot." (ae)