Die Wiener Privatbank schärft weiter ihren zuletzt wieder stärker betonten Fokus auf Sachwerte und Kapitalmarkt. Christoph Raninger, seit dem Vorjahr Chef des Instituts, kündigte im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE neue Anlageprodukte und Bauvorhaben an.

Neue Anleihe für Neubau vorstellbar
So könnte sich zu den am Markt bekannten Stadthäuser-Anleihen, die rein über das eigene Private Banking vertrieben werden, erstmals auch eine Anleihe auf Neubau-Projekte gesellen. Bei den bestehenden Stadthäuser-Anleihen werden Renditen (in der Regel drei Prozen fix plus bis zu fünf Prozent gewinnabhähgig) durch die Sanierung und den Abverkauf bestehender Wohnungen erzielt. Eine ähnliche Anleihe auf eigene Neubauprojekte sei vorstellbar.

Es gebe immer mehr Nachfrage nach kleinen durchdachten Grundrissen im Neubau, so Raninger. Bereits im Vorjahr hat das Unternehmen, das eigentlich im Wiener Zinshaus-Markt verankert ist, ein Bauherrenmodell in Graz begleitet. Sämtliche Wohnungen seien platziert worden. Obwohl der Wunsch nach größeren Wohnflächen angesichts der Corona-Pandemie gestiegen ist, würden kleinere Objekte aufgrund der Leistbarkeit weiter besser verkäuflich sein, zeigte sich Raninger überzeugt. Die Nachfrage sei weiter am größten in einem Segment zwischen 150.000 und 300.000 Euro.

Zweitwohnsitze
Dem gegenüber stehen neue, durch die Pandemie entstandene, Wohnbedürfnisse der Privatbankkunden: Man werde sich heuer dem Thema Zweitwohnsitze widmen. Zum einen in der Beratung. Zum anderen werde geprüft, ob man für die Kunden in gefragten Regionen – Stichwort Kärntner Seen oder Steirische Weinstraße – Angebot herstellen beziehungsweise die Nachfrage bedienen könne. Genauere Pläne sind noch offen. Jedenfalls dürfte es auch in Richtung Timesharingmodelle gehen – also ein Fokus auf Objekte, die man vermietet, aber bei Bedarf auch selbst nutzen kann.

Sämtliche Projekte würden mit der Immobilien-Schwester Vienna Estate durchgeführt. Das Unternehmen wurde einst angesichts des beabsichtigten Bankverkaufs aus dem Unternehmen herausgelöst. Nun sollen wieder stärker gemeinsame Synergien genutzt werden.

Mezzaninfonds wird grün
Weit fortgeschritten sei mittlerweile der bereits im Vorjahr angekündigte Mezzaninkapitalfonds. Fest steht nun, dass das Vehikel, das ausschließlich für qualifizierte Anleger gedacht ist, eine grüne Komponente haben soll. Die genauen Zertifizierungen stehen noch nicht fest, man wolle jedenfalls in diesem Segment der erste mit einem grünen Angebot sein. Auch die KAG Matejka Partner soll künftig mehr nachhaltiges Angebot haben, kündigte Raninger an.

Raninger, der Ende Dezember wegen Pandemie-bedingt höherer Risikovorsorgen einen Verlust in Aussicht gestellt hat, zeigt sich für das kommende Jahr dennoch optimistisch. Die nach dem 2019 gescheiterten Mehrheitsverkauf eingeleitete Rückbesinnung der Bank auf Sachwerte in Kombination mit einer Kapitalmarktbegleitung für Mittelständler, habe sich bereits in der Krise als richtig erwiesen, so Raninger. Das reine Depotvolumen habe um etwa 45 Prozent zugelegt, die verwalteten Vermögen um rund 15 Prozent.

Kapitalmarkt-Aktivitäten
Die Depots seien unter anderem auch mit den Kapitalmarktaktivitäten gewachsen. Die Bank begleitet zum einen jährlich etliche Anleiheemissionen und hat zum anderen seit der Wiedereröffnung des Dritten Marktes an der Wiener Börse im Jahr 2019 einige kleinere Börsengänge betreut. Hier habe man eine gute Wertschöpfungskette, etwa, wenn Anleihezeichner die Papiere im Depot der Bank belassen. "Die Positionierung in der Nische zwischen Kapitalmarktgeschäft und Depotgeschäft ist uns im Vorjahr sehr gut gelungen", sagt Raninger. In der Kapitalmarkt-Pipeline schaue es derzeit "schon wieder ganz gut aus". "Es gibt nachfolgendes Interesse und ich gehe davon aus, dass das stärker wird, je bekannter unser Service wird", so Raninger. (eml)