"Was knapp und begehrt ist, wird zumeist schneller teurer", schreibt die Raiffeisen Bank International (RBI) in ihrem aktuellen Immobilienbericht "9 Länder, 9 Märkte". In Wien sei Wohnraum knapp, und das spreche für mittelfristig stärker steigende Preise und ein größer werdendes Preisgefälle auf dem Wohnungsmarkt. Bereits im vergangenen Jahr sind die Preise im Schnitt wieder um 1,3 Prozent gestiegen und damit etwas mehr als in Österreich insgesamt, so die RBI. Österreichweit betrug die Preissteigerung voraussichtlich 0,9 Prozent (Datenbasis: Q1-Q3/2025). Heuer könnten die Immobilienpreise um etwa 2,5 Prozent steigen und in Wien sogar noch teurer werden.

Wiener Bevölkerung wächst weiter
Ein wesentlicher Grund dafür ist die Einwohnerentwicklung. In Wien wuchs die Bevölkerung zwischen 2013 und 2024 durchschnittlich um 1,3 Prozent pro Jahr und damit mehr als doppelt so stark wie im restlichen Österreich. Wien zählt aktuell rund 300.000 Einwohner mehr als Anfang 2013. Für die kommenden Jahre erwarten die Analysten für Wien weiterhin ein Bevölkerungswachstum, wobei dieses "nur" noch halb so groß wie zuletzt sein könnte. 

Mit Blick auf den Wohnungsmarkt betont die RBI nicht zuletzt wegen des fehlendes Nachschubs einen Nachfrageüberhang. Es habe in den vergangenen Jahren zu wenige Baugenehmigungen gegeben und auch 2025 und 2026 werde der Wohnungsneubau in Wien rückläufig sein. "Erst 2027 rechnen wir wieder mit steigenden Fertigstellungszahlen", heißt es in dem Research-Bericht.

Kein unendliches Preiswachstum
Vom dritten Quartal 2024 bis zum dritten Quartal 2025 sind die Wohnungspreise in den meisten Landeshauptstädten gestiegen. An der Spitze steht Graz mit einem Plus von 6,3 Prozent, gefolgt von Wien mit drei Prozent und St. Pölten mit 2,5 Prozent. In Innsbruck gingen die Preise jedoch um 4,7 Prozent zurück. Hier war die Preiskorrektur über die vergangenen drei Jahre insgesamt am größten: Die Wohnungen wurden im Durchschnitt um rund neun Prozent günstiger.

Für die kommenden Jahre prognostiziert die RBI steigende Preise. Das gehe von gestiegenen Einkommen und rückläufigen Fertigstellungszahlen bei leicht wachsender Bevölkerung aus. "Allerdings sprechen die nicht mehr sinkenden Zinsen dagegen, dass die Bäume in den Himmel wachsen", heißt es in der Analyse.

Eigentum ist wieder bezahlbar
Die Ökonomen argumentieren den Preisauftrieb, der trotz Gegenwinds durch vergleichsweise hohe Zinsen und die Kreditvergaberichtlinien stattfindet, mit zwei weiteren Aspekten: Erstens sind die Baukosten weiter gestiegen, daran hat auch die Immobilienkrise nichts geändert. Die Baubranche konnte die Preise hoch halten. Und zweitens hat sich laut RBI, obwohl die Kredite deutlich teurer als vor ein paar Jahren sind, die "Leistbarkeit" bei den gebrauchten Wohnungen aufgrund der Preisrückgänge deutlich verbessert. (ae)