Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat Marktmanipulationsuntersuchungen aufgenommen, die Wertpapiere der Immobilienunternehmen Publity und Preos betreffen. Das teilte die Bundesanstalt auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit. "Zu Untersuchungsdetails können wir uns jedoch leider aus Verschwiegenheitsgründen nicht äußern", so die Behörde.

Die beiden miteinander verbundenen Unternehmen reagierten nicht auf die Bitte der Redaktion, zu möglichen Hintergründen der Untersuchungen Stellung zu nehmen. So bleibt offen, um welche Vorfälle es konkret geht und welche Personen oder Gesellschaften darin verwickelt sein könnten.

Bafin analysiert Transaktions- und Orderdaten
Was unter Marktmanipulation zu verstehen ist, ist seit Juli 2016 EU-weit in der Marktmissbrauchsverordnung (MAR) geregelt. So ist es beispielsweise verboten, durch Geschäfte oder Handelsaufträge "falsche oder irreführende Signale hinsichtlich des Angebots, der Nachfrage oder des Preises eines Finanzinstruments" zu geben, wie es in Artikel 12 des Regelwerks heißt. Auch die "Verbreitung von Informationen über die Medien einschließlich des Internets", die zu solchen Fehlsignalen führen können, ist untersagt.

"Um Fälle von Marktmanipulation aufzudecken, analysiert die Bafin Transaktions- und Orderdaten, führt Informationsrecherchen durch und beobachtet den Markt", teilt die Behörde auf ihrer Internetseite mit. "Sie wertet Verdachtsanzeigen der Institute aus und geht Hinweisen nach, die sie von Handelsüberwachungsstellen der Börsen, Strafverfolgungsbehörden und Anlegern erhält."

Sogenannte "ordnungswidrige" Marktmanipulationen sanktioniert die Bafin mit einem Bußgeld, das eine empfindliche Höhe von mehreren Millionen Euro erreichen kann. "Vorsätzliche Manipulationen, die auf den Börsen- oder Marktpreis eingewirkt haben, sind Straftaten", betont die Behörde jedoch. In diesem Fall droht Tätern sogar eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

Kursentwicklung klafft auseinander
Die Publity mit Sitz im Frankfurter Opernturm hält jüngsten Veröffentlichungen zufolge über 80 Prozent der Aktien des Büroimmobilienkonzerns Preos. Größter Aktionär der Publity ist wiederum eine Holding des Firmengründers und langjährigen Vorstandschefs Thomas Olek, der seit kurzem nur noch beratend für die Unternehmensgruppe tätig ist. Beide Aktien notieren an der Börse, werden aber kaum gehandelt. In der Kursdatenhistorie finden sich immer wieder Tage und Handelsplätze, an denen gar kein Umsatz stattfand.

Marktbeobachter rätseln seit geraumer Zeit, warum die Kursentwicklung der beiden Titel so weit auseinanderklafft. Obwohl die Preos die wichtigste Beteiligung der Publity ist, reagierte die Publity-Aktie lange Zeit kaum auf den Kursverfall der Preos, der im September vergangenen Jahres einsetzte. Seinerzeit notierte die Aktie zeitweise bei mehr als 17 Euro, jüngst fiel sie unter die Marke von fünf Euro. Anleger, die damals einstiegen, haben fast drei Viertel ihres Einsatzes verloren. Die Publity-Aktie dagegen liegt trotz eines jüngst erfolgten Kursrutsches nur rund 23 Prozent unter ihrem im September erreichten Hoch. Eine mögliche Marktmanipulation, wie sie die Bafin aktuell untersucht, könnte eine Erklärung für die sehr unterschiedliche Entwicklung der beiden Aktien sein.

Die Untersuchungen zu einer möglichen Marktmanipulation sind übrigens nicht das erste Mal, dass sich die Bafin mit der Preos-Aktie beschäftigt. Erst vorvergangene Woche hatte die Behörde öffentlich vor Werbung für dieses Wertpapier gewarnt, die auf einem Internetportal veröffentlicht worden war. Die Firmengruppe betonte seinerzeit auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE, nichts mit diesem Inserat zu tun zu haben.

Für viele Preos-Anleger gelten Lock-up-Fristen
Der geringe Börsenumsatz liegt nicht nur an dem kleinen Streubesitz, sondern zumindest zum Teil auch an den Nebenbedingungen eines sehr unüblichen Aktiengeschäfts: Anfang Dezember hatte FONDS professionell ONLINE öffentlich gemacht, dass die Publity über Tippgeber monatelang Käufer für Preos-Aktien aus dem eigenen Bestand suchte – auch in Österreich. Die Anleger erhielten 15 Prozent Rabatt auf den aktuellen Börsenkurs, mussten sich im Gegenzug aber verpflichten, die Preos-Aktie mindestens ein Jahr lang zu halten. Viele Aktionäre würden also gegen Lock-up-Vereinbarungen verstoßen, wenn sie ihre Titel frühzeitig verkaufen würden.

Die geringe Liquidität mag auch als Erklärung dafür gelten, warum die Preos-Aktie zuletzt kaum oder nur mit großer Verzögerung auf schlechte Nachrichten reagierte. Mitte März musste das Unternehmen einräumen, die Anteile an seinem neu erworbenen Tochterunternehmen Gore wohl zu einem deutlich niedrigeren Wert bilanzieren zu müssen als ursprünglich erhofft. Auf den Börsenkurs der Preos hatte diese Meldung tagelang kaum Auswirkungen. Erst Ende März und Anfang April kam es zu einem signifikanten Kursrutsch. (bm)