Portfoliomanager: Listed Private Equity vor dem Turnaround
Die Aktien von Private-Equity-Managern haben zuletzt ziemlich gelitten. Benjamin Lorenz von der Partners Group sieht gute Chancen für eine langfristige Erholung. Zuerst müssen aber ein paar Vorbedingungen erfüllt sein.
Die Aktien der börsennotierten Private-Equity-Manager galten lange als einfache Möglichkeit auch für Privatanleger, am großen Erfolg der Private-Equity-Branche teilzuhaben, obwohl die geschlossenen Fonds großen institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Das hat sich in den vergangenen Jahren gleich zweifach geändert: Zum einen bieten inzwischen auch ELTIFs Privatanlegern einfacheren Zugang zu Private Equity und anderen illiquiden Anlageklassen. Vor allem aber hat die Branche zuletzt mit schwachen Renditen und Mittelabflüssen einiges an Glanz eingebüßt.
Abflüsse und Exit-Schwäche belastet die Aktien
Das hat sich auch in den Aktienkursen bemerkbar gemacht, die weit hinter dem Markt zurückblieben. Benjamin Lorenz, Senior-Portfoliomanager bei der Partners Group, sieht bei Listed Private Equity gerade nach der Korrektur aber großes Potenzial. Er sagt: "Während börsennotierte Private-Equity-Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf hinter dem breiten Aktienmarkt zurückgeblieben sind, haben sich die operativen Kennzahlen vieler Gesellschaften dennoch weiterhin positiv entwickelt." Diese Diskrepanz habe die Bewertungen auf ein attraktives Niveau sinken lassen und eröffne langfristig orientierten Investoren interessante Einstiegsmöglichkeiten.
Viele der Unternehmen würden die deutlichen Abschläge für umfangreiche Aktienrückkäufe zum Nettoinventarwert (NAV) nutzen. Auch im Vergleich zum breiten Aktienmarkt erscheint ihm Listed Private Equity derzeit attraktiv bewertet. "Während der MSCI World mit einem erwarteten KGV von rund 19 über seinem Zehnjahresdurchschnitt von 17 notiert, werden zahlreiche börsennotierte Private-Equity-Beteiligungsgesellschaften mit Abschlägen von 30 bis 40 Prozent auf ihren zuletzt veröffentlichten NAV gehandelt", sagt Lorenz. "Damit liegen die Bewertungen deutlich unter ihrem langfristigen Durchschnitt und eröffnen aus historischer Sicht attraktive Einstiegsmöglichkeiten."
Strukturelle Wachstumstreiber könnten helfen
Zudem sprechen seiner Meinung nach auch langfristige Trends für das Segment: "Zusätzliche Impulse kommen aus dem US-Pensionssystem – 401(k) – sowie durch die potenzielle Aufnahme weiterer alternativer Vermögensverwalter in den S&P 500." Auch makroökonomische Einflüsse würden das Bild für Listed Private Equity bestimmen. In einem von Unsicherheit geprägten Umfeld falle es Käufern wie Verkäufern schwer, verlässliche Annahmen zur künftigen Geschäftsentwicklung zu treffen, weshalb Transaktionsentscheidungen zu Unternehmensverkäufen vielfach aufgeschoben würden. Dazu belasten die hohen Zinsen Finanzierungen und damit die Transaktionen. Zusammen führt das zur aktuellen Exit-Schwäche an den Privatmärkten.
In einer möglichen Entspannung dieser Rahmenbedingungen sieht Lorenz gerade deshalb erhebliches Aufholpotenzial. "Sollten die Zinsen sinken und die geopolitischen Risiken abnehmen, würde dies ein deutlich günstigeres Umfeld für Listed Private Equity schaffen." In einem solchen Szenario dürften die Portfoliobewertungen steigen und die Transaktionsaktivität – insbesondere auf der Verkaufsseite – wieder Fahrt aufnehmen. Der Turnaround ist also möglich, hängt aber von einigen Vorbedingungen ab. (jh)















