Österreichs Immobilienmarkt auf dem Pfad der Erholung
Branchenvertreter berichten über die Entwicklung des Immobilienmarkts und skizzieren ein differenziertes Bild. Während die Nachfrage vor allem nach Wohnimmobilien wieder steigt, bleibt der Neubau ein Sorgenkind.
Der heimische Immobilienmarkt findet langsam aus dem Tal der Tränen. Das ist das Ergebnis aktueller Marktberichte des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI) und von Raiffeisen Immobilien. "Wir beobachten eine vorsichtige Erholung mit weiterem Aufwärtspotenzial, aber keine Rückkehr zur Normalität“, erklärt ÖVI-Vizepräsident Andreas Wollein.
Nach dem deutlichen Einbruch der Transaktionszahlen in den Jahren 2023 und 2024 stabilisierte sich der Markt 2025 langsam. Sinkende Zinsen und kräftige Lohnsteigerungen haben laut ÖVI den Erwerb von Wohneigentum "wieder leistbarer" gemacht. Dennoch bleibe die Lage angespannt.
Bauträger verdienen weniger
Vor allem der Neubau stehe unter Druck. "Die Finanzierungssituation für Bauträger ist heute eine völlig andere als noch vor wenigen Jahren", erklärt Thomas Raith, Bauträgersprecher des ÖVI, und ergänzt: "Hohe Baukosten, sinkende Eigenkapitalquoten und steigende Anforderungen der Banken – etwa bei der Vorverwertung – führen zu massiver Verunsicherung. Viele Projekte werden verschoben oder gar nicht mehr gestartet."
Aufgrund dieser Gegebenheiten befindet sich die Neubautätigkeit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Preisanpassungen fanden laut ÖVI vor allem zulasten der Bauträger über die Margen statt. "Die Preise stagnieren, aber nicht, weil alles gut läuft, sondern weil Bauträger Wertanpassungen und höhere Finanzierungskosten selbst getragen haben. In vielen Fällen bedeutet das Gewinnreduktionen oder sogar Verluste", so Raith.
Neubau unter Druck, Verunsicherung bei Käufen
Der österreichische Wohnimmobilienmarkt wird nach Einschätzung der Raiffeisen Immobilien im Jahr 2026 stabil, aber unter Druck bleiben: Die Preise könnten österreichweit um durchschnittlich rund drei Prozent steigen. Als große Herausforderung sieht Peter Mayr, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich und Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien Salzburg, weiterhin die Unsicherheit auf der Konsumentenseite. Das habe die Kaufabschlüsse gebremst und die Mieten weiter erhöht.
Laut Raiffeisen Research wird sich die Wohnbaurezession auch 2026 fortsetzen: Die Zahl der fertiggestellten Wohneinheiten dürfte von knapp 60.000 im Jahr 2022 auf rund 34.000 in diesem Jahr fallen und wird 2026 mit voraussichtlich 31.000 Einheiten ihren Tiefpunkt erreichen. Erst 2027 könnte sich mit rund 35.000 Einheiten eine leichte Belebung abzeichnen.
Raiffeisen Immobilien kritisiert Politik
Vor diesem Hintergrund warnt die Raiffeisen vor überzogenen Erwartungen an kurzfristige politische Maßnahmen. "Wenn wir Mieten langfristig dämpfen und Neubau-Eigentum wieder leistbarer machen wollen, kommen wir an einem Punkt nicht vorbei: Wir brauchen mehr Angebot im freifinanzierten Wohnbau. Nur dort, wo tatsächlich gebaut wird, kann der Markt Druck von den Preisen nehmen", meint Peter Weinberger, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich und Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien in NÖ/Wien/Burgenland. (ae)















