Die Österreichische Nationalbank (OeNB) empfiehlt den Banken, Vorbereitung auf strengere aufsichtliche Anforderungen für Gewerbeimmobilienkredite zu treffen und weiterhin nachhaltige Vergabestandards bei Immobilienkrediten sicherzustellen. Grund dafür ist der starke Anstieg der notleidenden Kredite (Non-Performing Loans, kurz NPL).

Als Ursache für diese Entwicklung sieht die Nationalbank die schwache wirtschaftliche Entwicklung zentraler Branchen wie Industrie, Bauwirtschaft und konsumnahe Dienstleistungen. "Die anhaltenden Unsicherheiten führten zu weiterer Zurückhaltung bei Anlageinvestitionen und die Insolvenzen in der Bau- und Immobilienbranche belasteten die Kreditqualität der Banken", blickt die OeNB auf das erste Halbjahr 2025 zurück.

NPL-Quote steigt rasant
Der Anteil der notleidenden Kredite bei den Banken stagnierte im ersten Halbjahr 2025 insgesamt bei rund drei Prozent. Aber im Bereich der gewerblichen Immobilienfinanzierung (CRE) lag der Anteil der notleidenden Kredite im ersten Halbjahr 2025 bei 7,9 Prozent, und damit war er deutlich schlechter als Ende 2024 mit 6,3 Prozent. Anfang 2022 stand die NPL-Quote noch bei unter einem Prozent.

Im "Financial Stability Report 50" der OeNB heißt es dazu: "Unternehmen im Bereich Gewerbeimmobilien sind deutlich weniger widerstandsfähig geworden, was zu einer weiteren Verschlechterung der Kreditqualität in diesem Segment geführt hat. Nach Angaben aus der Datenbank SABINA von Bureau van Dijk haben sich die Eigenkapital- und Liquiditätslage von CRE-Unternehmen zwischen 2021 und 2023 erheblich verschlechtert. Die Zahl der Unternehmen mit geringem oder negativem Eigenkapital ist gestiegen, wodurch sich die Liquiditätspuffer (Barmittel und Bankreserven) der Unternehmen verringert haben."

Pufferzone steht vor der Ausweitung
Die Aktualisierung der entsprechenden Bewertung von CRE-Krediten habe heuer keinen Rückgang der systemischen Risiken ergeben. Deshalb wurde im Juli 2025 ein sektoraler Systemrisikopuffer von einem Prozent eingeführt. Im Zuge der aktuell laufenden Evaluierung entscheidet das Finanzstabilitätsgremium laut OeNB im Dezember über eine mögliche Anpassung des Puffers. Hierbei spielen die aktualisierte Bewertung des systemischen Risikos und die Auswirkungen der Einführung der EU-Eigenkapitalverordnung (CRR III) auf die Eigenkapitalanforderungen für CRE-Kredite eine Rolle. (ae)