Investmentchef: Diese Werte schützen bei Staatsschulden und Inflation
Hohe Staatsverschuldung und niedrige Realrenditen in den Industriestaaten sprechen nach Meinung von Reinhard Pfingsten, Anlagechef der Apobank, für Sachwertanlagen wie Aktien. Auch Anleihen sollten Anleger aber nicht abschreiben.
Der Anstieg der Staatsverschuldung in den Industrieländern wird sich in den kommenden Jahren wohl fortsetzen. Damit dürften sich auch die Rahmenbedingungen für Anleger nachhaltig verändern, sagt Reinhard Pfingsten, Anlagechef der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Themen rund um Inflation, Zinsen, Realrenditen und die Rolle von Staatsanleihen dürften seiner Meinung nach noch stärker in den Mittelpunkt strategischer Anlageentscheidungen rücken.
Finanzielle Repression statt radikaler Lösungen
"Hohe Staatsschulden sind weit mehr als eine Kennzahl. Sie beeinflussen langfristig, wie sich Renditen, Risikoprämien und Bewertungen an den Kapitalmärkten entwickeln", sagt Pfingsten. Er hält harte Sparmaßnahmen, Hyperinflation oder auch Staatspleiten für sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher sei dagegen ein länger anhaltendes Umfeld, in dem Schuldenquoten vor allem über nominales Wachstum, etwas höhere Inflation und vergleichsweise niedrige Zinsen tragbar gehalten werden.
"In einem Umfeld hoher Staatsverschuldung und niedriger Realrenditen gewinnen reale Anlagen gegenüber rein nominalen Anlageformen an Bedeutung", so der Investmentchef. Dabei nennt er insbesondere Aktien als Beteiligung an produktiven Unternehmen, die steigende Kosten häufig zumindest teilweise über höhere Preise weitergeben.
"Qualitätsaktien großer, preissetzungsstarker Unternehmen sind in einem inflationären Umfeld häufig besser positioniert, weil sie über stabile Geschäftsmodelle, starke Marken, robuste Bilanzen und eine hohe Fähigkeit zur Preisdurchsetzung verfügen", so Pfingsten. Sie könnten damit eher dazu beitragen, Kaufkraftverluste auszugleichen.
Reale Anlagen gewinnen an Bedeutung
Neben Aktien bleibe Gold als Stabilitätsanker in Phasen erhöhter Unsicherheit gefragt, um zusätzliche Robustheit ins Portfolio zu bringen. Zudem könnten Investments in Immobilien ebenfalls zur Diversifikation beitragen. "Beide Alternativen ergänzen produktive Unternehmensbeteiligungen, können diese aber nicht ersetzen", sagt Pfingsten.
Trotz der Inflationsrisiken bleiben auch Anleihen seiner Einschätzung nach ein unverzichtbarer Bestandteil der strategischen Vermögensallokation. Dabei sei jedoch eine differenzierte Allokation entscheidend. Der Apobank-CIO dazu: "Unternehmensanleihen bieten langfristig häufig bessere Chancen auf realen Kapitalerhalt als viele Staatsanleihen, da Risikoaufschläge und höhere laufende Erträge einen Puffer gegen Kaufkraftverluste darstellen können. Auch inflationsindexierte Anleihen können in diesem Umfeld in ein Portfolio gehören." (jh)















