Der Finanzplatz Österreich macht zurzeit keine besonders gute Figur im Immobilienaktien-Bereich. Gerüchte, Spekulationen und kein offizielles Statement: Das ist das Motto, das seit Monaten die angeblichen Fusionsabsichten zwischen den österreichischen Immobiliengesellschaften S Immo und Immofinanz begleitet.

Am Mittwoch (17. Juni) reichte es offenbar dem Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger (Interessenverband für Anleger, IVA). In einem offenen Brief fordert er von Finanzmarktaufsicht (FMA) und Übernahmekommission, dass sie untersuchen sollen, ob das Management der beiden Immobiliengesellschaften tatsächlich Fusionsgespräche führt oder im Hintergrund vorbereitet. Außerdem müsse überprüft werden, ob die behauptete Synergie so einer Verschränkung überhaupt gegeben sei.

Pikant daran: Rasinger sitzt im Aufsichtsrat der S Immo und hält selbst Aktien des Unternehmens. Sein IVA-Kollege Michael Knap ist Aufsichtsratsvorsitzender der Immofinanz. Arbeiten die Gesellschaften bereits konkret an einer Fusion, sollte das der Aufsichtsrat eigentlich wissen. Im November waren Übernahmegespräche abgeblasen worden. Heuer haben sich die Unternehmen im März aber wieder dafür offen gezeigt. Seit dem gibt es immer wieder Spekulationen – diese Ungewissheit stört Rasinger, der nach Eigenangaben davon persönlich nicht unterrichtet ist.

FMA und Übernahmekommission gefordert
"Ich verlange eine Klarstellung", so Rasinger gegenüber FONDS professionell ONLINE. Eine Fusion sei eine weitreichende Maßnahme, die vorbereitet werden müsse. "Es bedarf ausführlicher Analysen und der Mandatierung von Beratern. Ich weiß aber als Aufsichtsrat nichts von Gesprächen der Vorstände", so Rasinger. Wenn es Fusionsvorbereitungen gibt, solle das aufgeklärt werden. Wenn nicht, müsse man sich Gedanken machen, wer im Markt von der Streuung der Gerüchte profitiert.

Rasinger verlangt nun Beistand der FMA. Sie solle die Vorgänge untersuchen. Der Behörde müssten die Unternehmen – im Unterschied zu ihm – wahrheitsgemäße Angaben über den Stand von Fusionsabsichten machen, so Rasinger. Ein FMA-Sprecher sagte, er könne aufgrund der Amtsverschwiegenheit nicht sagen, ob man an die Unternehmen bereits ein Auskunftsersuchen zur Darstellung der Situation geschickt hat. Man sei jedenfalls dafür zuständig, zu prüfen, ob relevante Insider-Informationen ordnungsgemäß veröffentlicht wurden.

"Gehen generell Marktgerüchten nach"
Auch bei der Übernahmekommission erfährt man aus Verschwiegenheitsgründen nichts über einen möglichen Kontakt mit S Immo/Immofinanz. Aber: "Wir gehen generell Marktgerüchten und Meinungen nach und entscheiden dann, ob wir ein Auskunftsersuchen verschicken", sagt Leiter Clemens Billek.

Rasinger sagte gegenüber der Redaktion, es müsse insbesondere auch geprüft werden, ob eine Fusion tatsächlich die von den Unternehmen in den Raum gestellten Synergieeffekte bringt. Die beiden Unternehmen seien sehr unterschiedlich ausgerichtet. "Bei Immobilienunternehmen ist außerdem generell zu hinterfragen, ob die bei Industrieunternehmen üblichen Synergien wirklich eintreten. Es wird einfach das Portfolio erweitert, man hat keine Vorteile durch Effizienzgewinne", so Rasinger. Außerdem erzeuge die Fusion hohe Kosten, da Grunderwerbssteuer fällig wird.

Rasinger hatte sich in den vergangenen Tagen äußerst skeptisch zu jüngst veröffentlichten Kapitalmaßnahmen geäußert. Beide Gesellschaften seien mit Blick auf deren Net asset value (NAV) unterbewertet. Er leitet daraus "die Überzeugung ab, dass die von Immofinanz AG geplanten Kapitalmaßnahmen – Verkauf der eigenen Aktien und Ausgabe einer massiven Wandelschuldverschreibung –  zu einer starken Verwässerung des Streubesitzes führen werden". Die Begründung des Unternehmens sei wirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Wegen des Bezugsrechtsausschlusses seien die Privatinvestoren im Gegensatz zu den institutionellen Anlegern von diesen Transaktionen ausgeschlossen. (eml)