Immobilienkrise: Deutscher Anbieter löst offenen Fonds auf
Die Krise der offenen Immobilienfonds erreicht die nächste Eskalationsstufe: Kanam Grund schließt den Leading Cities Invest und verkauft alle Objekte. In Österreich musste bisher die LLB für einen ihrer Fonds die Liquidation anmelden.
Der Markt der offenen Immobilienfonds bleibt im Krisenmodus. Am heutigen Freitag (26.6.) gab der deutsche Fondsmanager Kanam Grund bekannt, den offenen Immobilienfonds "Leading Cities Invest" (LCI) unmittelbar zu schließen und geordnet abzuwickeln. "Damit ist die Gleichbehandlung der Interessen aller Anleger gewahrt", betont Kanam-Grund-Geschäftsführer Heiko Hartwig im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Mit dieser Argumentation hatte im April 2025 die LLB Immo KAG angekündigt, den LLB Semper Real Estate aufzulösen.
Nun plant Kanam, die zwölf Objekte im LCI-Portfolio "in geeigneten Marktfenstern" zu verkaufen. Das wird laut Hartwig einige Jahre in Anspruch nehmen, zumal die Immobilien durch die Schließung des Fonds nicht mehr unter einem Zeitdruck veräußert werden müssen. Die Umsetzung der Auflösung soll "unter Einbeziehung der Banken" erfolgen. Die Nettoverkaufsergebnisse sollen zu gleichen Teilen an alle Anleger ausgekehrt werden.
Weitere Verluste nicht ausgeschlossen
Das Immobilienvermögen beläuft sich gemessen an den Verkehrswerten laut Kanam auf 350 Millionen Euro. "Die Objekte werden weiter gemanagt und auch revitalisiert", betont Hartwig. Mietverträge würden bevorzugt neu verhandelt werden, anstatt die Immobilien schnell verkaufen zu müssen. "Das Ergebnis können wir aber nicht seriös prognostizieren", so der Kanam-Manager. Dass Anleger am Ende mit einem Verlust aussteigen, könne nicht ausgeschlossen werden.
Die Schließung und Abwicklung des Fonds ist die Folge des schwindenden Anlegerinteresses. Nachdem das Fondsvolumen vom Spitzenwert in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bereits in den vergangenen Jahren auf 377 Millionen Euro per Ende 2025 geschrumpft war, verzeichnete das Fondsmanagement auch in diesem Jahr weitere Mittelabflüsse.
Erwartete Markterholung bleibt aus
Bisher wurden die Anteilsrückgabewünsche der Anleger erfüllt und die Auszahlungen wurden über Immobilienveräußerungen finanziert. "Aber weitere Verkäufe würden das Portfolio schwächen und dazu führen, dass sich der Fonds nicht mehr trägt. Das würde die Anleger, die nicht kündigen, benachteiligen", begründet Hartwig die Entscheidung.
Der "Leading Cities Invest" befindet sich seit Ende 2023 in der Krise. Damals musste er das Immobilienportfolio um rund elf Prozent abwerten. In den Jahren 2024 und 2025 wurden weitere Abschläge in Höhe von 16,3 und 15,9 Prozent verbucht. In diesem Zusammenhang erklärte Hartwig: "Die erwarteten Erholungen an den Immobilienmärkten sind noch nicht eingetreten."
Die neuen Regeln reichten nicht
Der Kanam-Fonds ist seit Einführung des deutschen Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) im Jahr 2013 der erste offene Immobilienfonds in Deutschland, der wegen hoher Mittelabzüge der Anleger in die Abwicklung geht. Es gibt jedoch mehrere andere deutsche Produkte, die in der Krise stecken: Seit Mitte Januar nimmt der "Wertgrund Wohnselect D" keine Anteile mehr zurück, Ende Februar folgte der "Fokus Wohnen Deutschland", im März dann der "UBS (D) Euroinvest Immobilien". Andere Fonds, darunter als prominentestes Beispiel der auch in Österreich vertriebene Uniimmo: Wohnen ZBI, mussten hohe Wertberichtigungen vornehmen. (ae)















