Die aktuellen geopolitischen Veränderungen und die damit einhergehenden Herausforderungen wie steigende Energiekosten, Lieferengpässe und hohe Inflation beeinflussen auch den heimischen Immobilienmarkt, sodass Prognosen revidiert werden müssen. So gaben kürzlich die Immobilienexperten von CBRE Österreich & CEE bekannt, dass die Erwartungen an das Transaktionsvolumen gesenkt werden.

"Unsere Prognosen für 2022 haben wir in den vergangenen Monaten nach unten korrigiert. So rechnen wir nach einem stabilen ersten Halbjahr mit einem Immobilieninvestment von 1,8 Milliarden Euro mit einem Ergebnis zum Jahresende von rund 3,5 Milliarden Euro", so Georg Fichtinger, Head of Investment Properties bei CBRE, der darauf verweist, dass Investoren vorsichtiger und selektiver agieren. Bisher gingen die Experten von einem Investitionsvolumen von 4,5 Milliarden Euro für das Jahr 2022 aus.

Büromarkt: Limitierung durch geringen Leerstand und niedrige Fertigstellungsrate
Im ersten Halbjahr wurden in Wien rund 76.000 Quadratmeter Büroflächen angemietet, was einem Wachstum von rund 15 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021 entspricht. "Trotz des einigermaßen guten ersten Halbjahres gehen wir bis zum Jahresende mit einem Gesamtvermietungsvolumen von zirka 160.000 Quadratmeter am Büromarkt Wien aus", so Patrick Schild, Head of Agency bei CBRE, der die niedrige Leerstandsrate und vor allem die geringe Fertigstellungsrate in Wien für die angespannte Situation verantwortlich macht. 

Retailmarkt: Gesellschaftliche und geopolitische Veränderungen beeinflussen 
Während in Wien Einzelhandelsflächen in A-Lage rasch Nachmieter finden, ist die Situation in Österreich insgesamt eine andere. Alleine im Bekleidungshandel ist die Verkaufsfläche – laut Handelsverband – im vergangenen Jahr um zwei Prozent geschrumpft. Inflation, verändertes Konsumverhalten, erhöhte Energiepreise und die Nachwirkungen der Pandemie beeinflussen die Entwicklungen am österreichischen Retailmarkt. "Wir sehen, dass Einzelhandelsflächen in Wohnquartieren attraktiver werden, da der fußläufig erreichbare Supermarkt immer wichtiger wird", so Walter Wölfler, Head of Retail Österreich & CEE bei CBRE, der vor allem Mixed-Use-Immobilien Potenzial zugesteht.

Logistikmarkt: Hohe Nachfrage, gut gefüllte Fertigstellungspipeline
Alleine in Wien und Umgebung wurden im ersten Halbjahr 2022 rund 100.000 Quadratmeter Logistikflächen angemietet. Dies ist die Konsequenz aus dem wachsenden Onlinehandel, für den Händler wie Paketdienstleister moderne Flächen benötigen, sowie aus der Reorganisation von Supply Chains aufgrund von Lieferengpässen. "Wir stehen vor einem Fertigstellungsrekord. Bis 2024 sollen an den Logistik-Hotspots Wien, Graz und Linz rund 1,4 Millionen Quadratmeter Flächen fertiggestellt werden. So viel wie noch nie", so Franz Kastner, Associate Director Logistics & Industrial bei CBRE. Kastner erwartet, dass durch die steigenden Bau- und Grundstückskosten die Spitzenmieten ein überdurchschnittliches Wachstum aufweisen werden. 

Wohnungsmarkt: Entwicklungen gebremst
Nicht nur die rasant steigenden Baukosten, sondern auch Inflation und Zinserhöhung beeinflussen die Situation am Wohnungsmarkt. "Durch die sehr aktive Bautätigkeit der letzten Jahre ist viel Produkt am Markt, das es nun zu füllen gilt. Daher und vor allem auch durch die Verschärfung der Kreditvergabekriterien sind die Entwicklungen und Aktivitäten am Wohnungsmarkt in Österreich zurzeit gebremst", so Fichtinger.

Hotelmarkt: Investoren warten Marktunsicherheit ab
Die Performance am Hotelmarkt ist – wie die aktuelle Buchungslage zeigt – positiv, wird allerdings durch steigende Kosten, Personalmangel und das Infektionsgeschehen beeinträchtigt. "Wir beobachten, dass Investmententscheidungen auf das dritte und vierte Quartal verschoben werden, aufgrund der Marktunsicherheit. Für das zweite Halbjahr erwarten wir einige investmentfähige Hotelprodukte am österreichischen Markt", erklärt Fichtinger. (gp)