Die Verbücherungszahlen der amtlichen Grundbuchsgerichte zeigen in der Halbjahresstatistik des Remax -Immomobilien-Spiegels oberflächlich noch wenig Spuren von Pandemie und Shutdown. Sie liegen in den meisten Bundesländern sogar über den Vorjahresvergleichswerten. Allerdings darf dabei der Zeitfaktor nicht übersehen werden: Bis Mitte März waren Kaufanbot-Legung, Kaufanbot-Annahme, Kaufvertragserstellung und -unterfertigung sowie notarielle Beglaubigung uneingeschränkt möglich, ebenso die darauffolgende Berechnung der Immobilienertragsteuer und der Antrag auf Verbücherung. Inwieweit sich der Shutdown auf die Vertragsabschlüsse ausgewirkt hat, ob sie sich nur nach hinten verschoben haben oder gesamthaft verändert, werden erst die Ganzjahreszahlen zeigen.

Kreditvergabe der Banken an Privatpersonen  wird entscheidend sein
Insgesamt wurden 2020 im ersten Halbjahr für 67.302 Immobilien neue Eigentümer verbüchert. Das ist um 4,9 Prozent mehr als 2019 und um 3,7 Prozent mehr als im Rekordjahr 2018. "Die Verkaufszahlen haben im ersten Halbjahr 2020 in Summe zwar zugelegt, aber die drei wichtigsten Objektgruppen, nämlich Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser und Grundstücke waren im ersten Halbjahr zusammen um -6,4 Prozent rückläufig. Die tatsächlichen Auswirkungen von Covid-19 werden erst die Auswertungen für das Gesamtjahr 2020 zeigen. Immobilien sind aber sowohl bei Eigennutzern als auch Anlegern weiterhin hoch im Kurs, daran wird sich auch nicht so rasch etwas ändern. Entscheidend für die Marktentwicklung in den nächsten Monaten wird die Kreditvergabe der Banken an Privatpersonen sein", sagt der Geschäftsführer von Remax Austria, Bernhard Reikersdorfer.

Steigende Verkaufszahlen mit gleichem Wert
Der Transaktionswert (Summe der Verkaufspreise) der bis 30. Juni 2020 verbücherten Immobilien, blieb mit 16,4 Millliarden Euro unverändert, auch wenn die Anzahl der Transaktionen bundesweit gewachsen ist. "Daraus sofort zu schließen, dass Immobilien generell billiger geworden wären, ist falsch", so Anton Nenning, Remax Austria Managing Director. Vielmehr ist die Anzahl der quasi kleinen Transaktionen gestiegen. So haben sich in den letzten fünf Jahren die Verbücherungen von Parkplätzen beinahe versechsfacht.

Aber auch Hausanteilsverkäufe haben fast um das Fünffache zugelegt, während Schwergewichte, wie zum Beispiel die Verkäufe von Zinshäusern und Zinshausanteilen, um ein Drittel zurückgegangen sind. Generell ist ein Einbruch bei Betriebsgebäuden und anderen Großinvestitionen festzustellen. Zwar sind die Top-100-Verkäufe von Bürogebäuden, Zinshäusern, Hotels, Wohnhausanlagen und gemischt genutzten Gebäuden unverändert 1,43 Milliarden Euro wert, aber die Untergrenze, um in diesem noblen Zirkel aufgenommen zu werden, ist von 7,7 Millionen Euro auf 5,9 Millionen Euro gesunken. Das heißt dann auch, dass in den kleineren Kategorien die entsprechenden Umsätze fehlen.

Salzburg und Oberösterreich befeuern den Immobilienmarkt
Von den 3.131 Verkäufen, die 2020 mehr als 2019 verbüchert wurden, lagen 1.169 laut Remax im Bundesland Salzburg (37,3 %) und 826 in Oberösterreich (26,4 %). Damit stemmten die beiden Bundesländer fast zwei Drittel (63,7%) des österreichischen Gesamtwachstums.

Wien verzeichnet ein Plus von 732 Mehrverkäufen, Vorarlberg 327, die Steiermark 162, Kärnten und Niederösterreich jeweils 136 und Tirol ein Plus von 73. Dem Burgenland fehlen 430 Immobilienverbücherungen auf die Vorjahresmenge. (gp)