Seit Jahren vermissen Anleger einen vollständigen Jahresabschluss der Immobilienrendite Investitions- und Entwicklungs-AG. Journalisten gegenüber hatte die Gesellschaft im Laufe der Zeit verschiedenste Begründungen präsentiert. Nun ist offenbar auch die FMA aufmerksam geworden. In einer Warnung teilt die Behörde "zur Gewährleistung des Anlegerschutzes" mit, dass das Immobilienunternehmen "seit inklusive dem Jahresabschluss zum 31.12.2014 keine vollständigen Jahresabschlüsse (z.B. fehlender Bestätigungsvermerk durch den Wirtschaftsprüfer) zum Firmenbuch eingereicht hat."

Verluste
Im Firmenbuch ist ein letzter Abschluss aus dem Jahr 2015 zu finden, gezeichnet von den beiden Vorständen Mathias Mühlhofer und Markus Kitz-Augenhammer. Am Ende des Dokumentes gibt es auf mehreren Seiten den Hinweis "wird nachgereicht", wobei unklar bleibt, was genau nachgereicht wird. Das Dokument zeigt einen Jahresverlust in Höhe von 726.384,27 Euro und einen Bilanzverlust von 2.881.193,54 Euro. In einem der Redaktion vorliegenden Jahresabschluss von 2017 (nicht im Firmenbuch veröffentlicht) stand ein negatives Eigenkapital von rund 4,2 Millionen Euro zubuche. Dazu kommt noch negatives Eigenkapital bei Töchtern. Das Unternehmen antwortete auf mehrfache Anfrage nicht.

Das Unternehmen hat gegenüber Medien stets erklärt, EDV-Probleme beim Firmenbuch seien Schuld an der Nichtveröffentlichung der Jahresabschlüsse. Im Vorjahr sagte Mühlhofer gegenüber der Redaktion, nun seien wirklich sämtliche Unterlagen eingereicht, allerdings sei eine Mitarbeiterin beim Firmenbuch erkrankt, daher gehe nichts weiter. Außerdem: Wäre man wirklich säumig, wäre ja bereits längst eine Zwangsstrafe verhängt worden.

Ärger über Immobilienrendite bei Firmenbuch
Beim Firmenbuch hingegen war man nicht erfreut über diese Darstellung. Es seien mehrfach Zwangsstrafen angedroht und verhängt worden, sagte dort eine mit der Sache vertraute Person bereits vor längerem. Eigentlich handle es sich um einen Fall für die Löschung. Das Unternehmen wisse anscheinend "juristisch genau", wie es das verhindere. Fehlende Unterlagen wie Lagebericht oder Bestätigungsvermerk würden nicht oder nicht in ausreichender Qualität beigebracht, wodurch ständige Verzögerungen erwirkt würden. "Die Firma macht das seit Jahren so", sagte die Person.

Erstaunlich ist, dass die mysteriöse Nichtveröffentlichung der Jahresabschlüsse offenbar kein Signal ist, das die Staatsanwälte beunruhigt: Die WKStA hatte 2019 ein Verfahren gegen das Unternehmen wegen verschiedener Vorwürfe geführt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Ein Gutachten wurde erstellt mit dem Ergebnis, dass der Betrugsverdacht im Zusammenhang mit der Ausgabe von Anleihen nach §146 gegen drei Beschuldigte und einen Verband "mangels Nachweisbarkeit" teileingestellt wurde. Weitere Vorwürfe, insbesondere Bilanzdelikte, wurden an die Staatsanwaltschaft Wien weitergereicht, die das Verfahren ebenfalls einstellte. Eine Anfrage der Redaktion an die Staatsanwaltschaft Wien blieb bis jetzt unbeantwortet. (eml)