ELTIF: Rendite braucht Köpfchen
Die aufstrebenden ELTIFs investieren zu einem guten Teil in Private Equity. Diese Assetklasse befindet sich im Wandel. Heute ist mehr als früher operative Kompetenz im Management gefragt. Es genügt nicht, passiv auf Wertsteigerungen im Portfolio zu spekulieren.
Die europäische Politik will mit dem novellierten European Long-Term Investment Fund (ELTIF) Privatanlegern den Zugang zu den Private Markets ermöglichen und so neben institutionellen Investoren auch die Kleinanleger an der Unternehmensfinanzierung in Europa beteiligen. Allerdings ist allein die Möglichkeit, über den ELTIF niederschwellig in Private Equity investieren zu können, kein Erfolgsgarant. Zwei aktuelle Studien unterstreichen, dass dafür mehrere Faktoren entscheidend sind.
Aktien schlagen Private Equity
Laut der Allianz-Studie "Public vs. private equity: The widest equity return gap in two decades" ist die Renditelücke zwischen börsennotierten Aktien und Private Equity so groß wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Seit dem Tiefpunkt im Oktober 2022 verzeichnete der S&P 500 drei Jahre in Folge eine jährliche Rendite von über 20 Prozent, getrieben vor allem von den "Magnificent Seven" (Apple , Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta und Tesla) und einem KI-Investitionsboom, der real stattfindet und nicht nur auf Bewertungssteigerungen zurückzuführen ist.
Demgegenüber liegen Private-Equity-Buyout-Portfolios, die auf dem Höchststand der Jahre 2020 und 2021 aufgebaut wurden und sich nun mit teurerer Verschuldung in einem schwachen Exit-Markt befinden, bei sämtlichen Benchmarks und Betrachtungszeiträumen zurück. Zwar besteht laut Allianz langfristig eine Outperformance von Private Equity gegenüber dem MSCI All Country World Index von 400 Basispunkten pro Jahr, aber die Jahrgänge 2021 bis 2023 weisen ein negatives Alpha von rund 800 Basispunkten auf.
Bewertungsfantasien und Buchgewinne reichen nicht mehr aus
Da Bewertungssteigerungen als Renditetreiber weitgehend entfallen und sich die Fremdkapitalkosten verdoppelt haben, müssen Private-Equity-Investoren Renditen über echtes Unternehmenswachstum und aktives Management erzielen. Das bedeutet, dass eine "Buy and hold"-Strategie nicht zu konkurrenzfähigen Renditen führt. Das Jahr 2026 wird laut Allianz zeigen, ob die Kluft zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor nur eine vorübergehende Extremphase oder ein dauerhafter Wandel war.
Aktives Management für die Wertschöpfung
Der "European Private Equity Value Creation Report 2026" der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal bestätigt, dass die Renditen zunehmend durch aktive operative Verbesserungen und weniger durch günstige Marktbedingungen bestimmt werden. Im aktuellen Marktumfeld, das von einer größeren Volatilität geprägt sei, werde das EBITDA-Wachstum von Unternehmen primär durch operative Verbesserungen und weniger durch Umsatzsteigerungen erzielt. "Margenverbesserungen machen mittlerweile etwa die Hälfte des EBITDA-Wachstums bei veräußerten europäischen Private-Equity-Beteiligungen aus", heißt es in der Untersuchung basierend auf einer Umfrage unter mehr als 200 Private-Equity-Experten in Europa.
Dabei erleichten technologische Fortschritte das Business der Manager. Laut Alvarez & Marsal setzen etwa zwei Drittel der Fonds im Rahmen ihrer Wertschöpfungsprogramme künstliche Intelligenz ein, wobei sich der Einsatz auf verschiedene Funktionsbereiche ausweitet. Zu den häufigsten Anwendungsbereichen zählen Datenanalyse, betriebliche Effizienz, Preisanalytik, Prognosen, Beschaffung und Finanzoptimierung. (ae)
Einen ausführlichen Bericht über die jüngsten Entwicklungen im europäischen Private-Equity-Markt lesen Sie in der FONDS professionell-Ausgabe 2/2026 ab Seite 148 und nach Anmeldung hier im E-Magazin.















