Deutscher Wohnimmobilienfonds stoppt Anteilsrücknahme
Der offene Immobilien-Publikumsfonds Fokus Wohnen Deutschland nimmt ab sofort bis auf Weiteres keine Anteile mehr zurück. Nach dem Wertgrund Wohnselect D zieht im Nachbarland damit der zweite offene Immobilienfonds in diesem Jahr die Notbremse.
Der offene Immobilienfonds Fokus Wohnen Deutschland hat mit Wirkung per Donnerstag (26.2.) die Rücknahme und Ausgabe von Anteilen ausgesetzt. Der Schritt sei notwendig geworden, erläutert Industria Immobilien, die das Asset Management verantwortet, weil die liquiden Mittel des Sondervermögens nicht ausreichen würden, um sowohl die Rücknahmewünsche von Anlegern zu bedienen als auch eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Immobilien sicherzustellen. Mitte Januar setzte bereits der Wertgrund Wohnselect D die Rücknahme von Anteilen aus.
"Anhaltende Krise" trotz "intakter Fundamentaldaten"
Der Immobilienmarkt befinde sich in einer "anhaltenden Krise" seit der Zinswende im Jahr 2022, begründet Industria Immobilien, woraufhin die Finanzierungskosten deutlich gestiegen seien, Transaktionen länger dauerten und das gesamte Transaktionsvolumen gesunken sei. Seit mehr als zwei Jahren seien die offenen Immobilien-Publikumsfonds davon betroffen und hätten hohe Mittelabflüsse zu verzeichnen. "Eine Trendwende ist aktuell nicht absehbar", heißt es in einer am Donnerstag versandten Unternehmensmitteilung.
Vor ein paar Tagen verschickte Industria den Monatsbericht zur aktuellen Lage des Fokus Wohnen Deutschland. Darin heißt es noch: "Die Fundamentaldaten auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt sind intakt, was sich insbesondere in dynamischen Mietsteigerungen ausdrückt." Das erste Halbjahr stehe im Zeichen, eine Vollvermietung der 2025 übernommenen Neubauprojekte zu erzielen, und erst an zweiter Stelle wurden "selektive Veräußerungen" genannt, um den Liquiditätsanforderungen gerecht zu werden.
Seit zwei Jahren verkauft der Fonds Objekte
In den vergangenen zwei Jahren hat der Fonds bereits zehn Objekte verkauft und damit 163 Millionen Euro erlöst, was aber bislang nicht ausreiche. Zehn weitere Immobilien würden derzeit am Markt angeboten werden, sagt Fondsmanager Jens Grathwol, die KVG Intreal sei aber "bestrebt, die Rücknahme der Anteile so schnell wie möglich wieder aufzunehmen".
Der Fonds wurde 2015 aufgelegt und verfügte zwischenzeitlich über ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. Aktuell befinden sich 45 Objekte im Portfolio mit rund 2.800 Wohneinheiten. Das Bruttofondsvermögen beläuft sich derzeit auf rund 993 Millionen Euro. (tw)













