Die Rolle des Homeoffice für die Berufswelt und für die Ansprüche an Büro- und Wohnflächen wird seit der Covid-19-Pandemie häufiger und zuweilen intensiv diskutiert. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Complexity Science Hub kam zu einem klaren Ergebnis: In Wien haben sich die Wohnpräferenzen durch die Pandemie in Kombination mit dem Homeoffice längerfristig verändert. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von 120.000 Wohnungsinseraten auf der Plattform willhaben.at, die der Ökonom Fabian Braesemann mit seinem Team vorgenommen hat.

Grosso modo ergab die Analyse, dass durch die Pandemie Wohnmerkmale, die mit Homeoffice in Verbindung stehen, stärker nachgefragt werden. Dazu gehören beispielsweise mehr Zimmer, Außenbereiche wie Terrassen oder Balkons, mehrere Badezimmer und Stellplätze. Demgegenüber verloren laut Braesemann die Treiber hoher Mieten aus der Vor-Pandemie-Zeit wie zum Beispiel die Innenstadtlage und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr relativ an Bedeutung. Damit ging eine stärker zunehmende Nachfrage nach Wohnraum in den Außenbezirken einher, die sich in den Preisen niedergeschlagen hat.

Preise ziehen in den Außenbezirken schneller an
Insgesamt stiegen die Mietpreise in Wien zwischen 2018 und 2021/22 um 9,2 Prozent. Die Entwicklung in den Bezirken verlief jedoch unterschiedlich. In der Inneren Stadt und in den Bezirken 2 bis 9 nahmen die Preise ebenfalls um etwa neun Prozent zu. Deutlich teurer wurden hingegen die äußeren Bezirke 10 bis 17 und 20 bis 23: Hier beträgt die Steigerung rund 15 Prozent. In den Außenstadtbezirken 13, 18 und 19 stiegen die Mieten mit durchschnittlich nur 3,2 Prozent deutlich langsamer. "Damit haben die äußeren Bezirke die höheren Mieten im Stadtzentrum etwas aufgeholt und die Mietunterschiede zwischen den inneren und äußeren Teilen des Stadtgebiets nivelliert", berichten die Studienautoren.

Die Wissenschafter schlussfolgern, dass die Änderung des Wohnverhalten langfristige Konsequenzen für die Stadtplanung in Wien hat. In der neuen hybriden Arbeitswelt bräuchten die Mieter, die zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit auch zu Hause verbringen, adäquaten Wohnraum, der die Möglichkeit fürs Homeoffice biete. Außerdem habe die Wanderungsbewegung innerhalb der Stadt Auswirkungen auf die innerstädtische Wirtschaft (zum Beispiel in den Einkaufsstraßen) und auf die urbane Mobilität. "Da mehr Menschen von klassischen Pendelrouten abweichen, sollte die Stadt Möglichkeiten schaffen, auch in Außenbezirken Angebote für nachhaltige Mobilität, Einkäufe und Erholung zu schaffen", meint Braesemann. (ae)