Stimmt es, was ein Insider erzählt, dürfte sich in den Räumlichkeiten der Immobilienrendite AG unlängst eine interessante Szene abgespielt haben. Ein Vorstand trifft sich zum Interview und wird vom Journalisten gefragt, was er zur Anzeige der FMA bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sagt – Erstaunen auf Seiten der Immobilienrendite AG, denn die weiß weder von einer Anzeige noch von Ermittlungen. Die Verantwortlichen seien aus allen Wolken gefallen. Etwas zurückhaltender formuliert es Vorstand Mathias Mühlhofer: "Wir haben aus den Medien davon erfahren", bestätigt er gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Frage nach Geldern
Die Anzeige hat die FMA in Form einer Sachverhaltsdarstellung eingebracht. Die Behörde ist zwar nicht für die Beaufsichtigung des Unternehmens zuständig. Sie ist aber verpflichtet, in begründeten Fällen, Sachverhalte anzuzeigen. Es geht um schweren Betrug, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie falsche Bilanzierung und Verstößen gegen die Prospektpflicht.

Ermittelt wird gegen die drei Vorstände des Unternehmens. Laut Medienberichten werde auch gegen einen "Verband" ermittelt. Mühlhofer widerspricht und sagt, ein Maklerservice finde zwar in den Unterlagen Erwähnung, werde aber nicht als Beschuldigter geführt. Er kritisiert, dass die Öffentlichkeit derartig rasch von der Anzeige erfahren konnte.

Der Hauptvorwurf der Behörde laute, es seien Gelder unrechtmäßig einbehalten worden. Die Beträge, die das Unternehmen bei den quartalsmäßigen Emissionen vereinnahmt, gingen direkt auf ein Treuhandkonto, von dem weg Immobilienkäufe getätigt würden, sagt hingegen Mühlhofer. Es gebe jährliche Gutachten zur Wertentwicklung der Immobilien, und die Investoren seien im Grundbuch eingetragen. Man habe der Staatsanwaltschaft die erforderlichen Unterlagen übermittelt, um die Vorwürfe zu entgegnen.

Kritik an Vorgehensweise der FMA
Über die Arbeitsweise der WKStA ist Mühlhofer voll des Lobes, weniger erfreut ist er über das Vorgehen der FMA. Nachdem man zehn Jahre lang Anleihen emittiert und an Profianleger verkauft habe, stehe im Raum, dass man dafür ein Kapitalmarktprospekt gebraucht hätte, obwohl das Kapitalmarktgesetz (§ 3) ab einer Mindeststückelung von 100.000 Euro kein Prospekt verlange. Ob das Unternehmen tatsächlich die möglichen Ausnahmen von der Prospektpflicht gesetzesgemäß erfüllt hat, muss nun die WKStA untersuchen. Bei der FMA heißt es, man könne die eingebrachte Sachverhaltsdarstellung nicht weiter kommentieren.

Mühlhofer mutmaßt, dass es der Behörde nicht gefallen hat, dass die Immobilienrendite AG seit 2018 ihr Konzept nicht nur an Profiinvestoren ab 100.000 Euro vermarktet, sondern auch an Kleinanleger ab 5.000 Euro: das dafür nötige Prospekt sei von der Luxemburger Aufsicht gebilligt worden, nicht von der österreichischen, heißt es aus dem Unternehmen.

Prospekt in Luxemburg
Die Immobilienrendite AG habe jahrelang versucht, dafür von der FMA ein Emissionsprospekt bewilligt zu bekommen. Man sei wiederholt hingehalten worden. Schlussendlich habe man sich an die Luxemburger Aufsicht gewandt: "Das hat einen Monat gedauert, in Österreich haben wir es bei diesem konkreten Prospekt schon neun Monate probiert. Ich bin dafür, dass diese Prüfungen umfassend sind. Aber es gibt einen Unterschied zwischen kritisch sein und jemanden monatelang ärgern", so Mühlhofer.

Er sagt auch, dass es bei den Vorwürfen, die die WKStA untersucht, nicht, wie in Berichten dargestellt, um das Produkt gehe, das seit 2018 an Kleinanleger vertrieben wird. Untersucht würden hingegen die Emissionstätigkeiten in den Jahren zwischen 2009 und 2018, wo man rein mit Profiinvestoren zusammengearbeitet hatte, so Mühlhofer. Auch dazu war von der FMA nichts zu erfahren. Aufklärung kann vermutlich erst die Arbeit der Staatsanwaltschaft bringen. Alle Produkte würden jedenfalls weiter vertrieben, heißt es aus dem Unternehmen.

Kein Schaden
"Wir begeben seit zehn Jahren Anleihen. Wir haben ungefähr elf Millionen Euro an die Investoren zurückgezahlt und alle Kupons und Rückzahlungen pünktlich geleistet. Es ist noch nie ein Schaden entstanden", so Mühlhofer, der die Immobilienrendite AG 2008 mit Markus Kitz-Augenhammer gegründet hat. Das Konzept sieht vor, dass unscheinbare Objekte, die von anderen Investoren liegen gelassen werden, revitalisiert und für diverse Zwecke nutzbar gemacht werden. (eml)