Wie Millionen Privatanleger ihr Schicksal aufs Spiel setzen
Wenn Anleger immer stärker mit passiven Strategien auf die großen globalen Aktienindizes setzen, begeben sie sich in neue und gefährliche Abhängigkeiten, warnt Focam-Investmentchef Martin Kolrep.
Passive Anlagen über ETFs legen weiter an Beliebtheit zu. Martin Kolrep, Leiter Asset Management beim Frankfurter Vermögensverwalter Focam, warnt vor den Risiken dieser Anlagen. Die sieht er unter anderem darin, dass strategische Risikoüberlegungen bezüglich einer Währungs-, Sektor- oder Regionalaufteilung vernachlässigt werden, da die Gewichtung starr dem Index folgt.
Dreifache Beschränkung im MSCI World
Das zeigt Kolrep am Beispiel des populären MSCI World auf. Der Index bildet bekannterweise die Wertentwicklung von rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Das regelbasierte Verfahren, welches der Auswahl der Aktien im MSCI World Index zugrunde liegt, basiert dabei auf drei Säulen: Der regionalen Beschränkung auf Aktien aus 23 Industrieländern, der Beschränkung auf die oberen 85 Prozent des frei handelbaren Börsenwerts jedes Landes und der Eingrenzung auf Aktien mit ausreichend hohem Handelsvolumen, um sie in ETFs problemlos investierbar zu machen.
Lang anhaltende Börsenaufschwünge einzelner Regionen oder Sektoren könnten zu einer massiven strukturellen Verschiebung innerhalb der Indizes führen, so der Anlageleiter. Während etwa US-amerikanische Aktien im Jahr 2007 noch einen Anteil von moderaten 42,9 Prozent am MSCI World hielten, sei dieser Wert bis Anfang 2026 auf über 73 Prozent angewachsen.
Teures Klumpenrisiko im Depot
Das Kernproblem besteht dabei laut Kolrep darin, dass die enorme Losgröße der Top-Ten-Schwergewichte das ursprüngliche Versprechen der Diversifikation in eine gefährliche Scheinsicherheit verwandelt. Fast 27 Prozent des Kapitals im MSCI World Index fließen demnach in nur zehn US-Tech-Giganten. Der Focam-Experte warnt: "Somit hängt das Schicksal von Millionen Privatanlegern nicht mehr an der Weltwirtschaft, sondern an der quartalsweisen Performance einiger weniger Silicon-Valley-Vorstände."
Er sagt: "Man kauft mit einem MSCI-World-ETF heute eigentlich drei Dinge, die man vielleicht gar nicht in diesem Ausmaß beabsichtigt." Ein extremes Klumpenrisiko in zehn US-Tech-Werten, ein massives Währungsrisiko in US-Dollar, da die Absicherung bei ETFs oft fehlt, und letztlich eine Bewertungs-Wette: "Man kauft die USA zu einem historisch hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), während Europa und Japan fundamental deutlich günstiger bewertet sind." (jh)















