"Risiko entsteht dann, wenn man nicht weiß, was man tut", lautet eine Investmentlehre der berühmten Anlagelegende Warren Buffett. Auf einer solchen Aufklärungsmission, nämlich zukünftigen Anlegern das Risiko- und Nutzenverhältnis von Investmentfonds nahezubringen, begaben sich in diesem Jahr anlässlich des Weltfondstages am 19. April auch wieder die beiden heimischen Fondsverbände Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) und Vereinigung ausländischer Investmentgesellschaften in Österreich (VAIÖ).

Die beiden Verbände, die sich an diesem "Feiertag für Fonds" traditionell zusammentun, können jedenfalls zufrieden auf die Aufklärungsarbeit durch die heimischen Interessensvertreter, Vermögensberater und Investmentgesellschaften zurückblicken: Laut einer von der VÖIG in Auftrag gegebenen Umfrage, sind 35 Prozent der Interviewteilnehmer gegenüber dem Thema Geldanlage sehr positiv oder positiv eingestellt. Zum Vergleich: 2016, als die Umfrage erstmals durchgeführt wurde, waren es noch 29 Prozent.

Trotz Ukraine-Konflikt: Anleger nicht im Panikmodus
Ein weiteres Indiz, dass die jahrelangen Bemühungen Früchte tragen, zeigt ein genauer Blick auf die aktuelle Investmentstatistik der VÖIG. Denn obwohl der Ukraine-Konflikt, den verhängten Sanktionen gegen Russland, der enorme Preissteigerungen und die erwartete Zinswende zu einem Rücksetzer auf den internationalen Kapitalmärkten geführt haben, blieben die Anleger hierzulande gelassen. "Erfreulicherweise haben die Anleger aus den vergangenen Krisen gelernt und kein Herdenverhalten an den Tag gelegt. Sie blieben investiert und haben weiter zugekauft", sagte Dietmar Rupar, Generalsekretär der VÖIG.

Besonders erfreulich sei, dass die Nettomittelzuflüsse fast zur Gänze im Publikumsfondsbereich erfolgten. Rupar spricht von einem Reifungsprozess: "Die Anleger haben in den letzten Jahren gute Erfahrungen mit Fonds gemacht und wissen, dass die Kapitalmärkte keine Einbahnstraße sind. Rücksetzer betrachten sie daher als Chance und weniger als Gefahr."

Das österreichische Fondsvolumen der Wertpapierverwaltungsgesellschaften (VWGs) verringerte sich seit Jahresbeginn dennoch um rund fünf Prozent auf 208 Milliarden Euro. Die Nettomittelzuflüsse betrugen laut VÖIG Ende März 2022 rund 1,3 Milliarden Euro, wobei auf institutionelle Anleger 59 Millionen Euro entfielen und auf den Publikumsfondsbereich 1,2 Milliarden Euro. Die Kursverluste beliefen sich auf rund 11,7 Milliarden Euro.

Internationale Fondsbranche: Größter Zuwachs seit 15 Jahren
Die internationale Fondsbranche erlebte 2021 übrigens den größten Zuwachs beim verwalteten Fondsvermögen seit 15 Jahren: Das Nettovermögen der weltweit registrierten offenen Fonds hat sich von 55 Billionen Euro Ende 2020 um zwölf Billionen  auf 67 Billionen Euro erhöht. Das entspricht einem Plus von 22 Prozent.

Diese fulminante Entwicklung der internationalen Fondsmärkte führt Thomas Loszach, Vorstand der VAIÖ auf mehrere Gründe zurück: "Das makroökonomische Umfeld und die weiterhin niedrigen Leitzinsen sind der größte Antrieb, auf der Suche nach Renditen in Fonds zu investieren. Der generelle Wirtschaftsaufschwung nach dem Höhepunkt der Corona-Krise hat die Investmentfreude genauso zusätzlich befeuert wie die Kursentwicklungen an den Aktienmärkten." (cf)