Der ausufernde Aufwand für börsennotierte Aktiengesellschaften schreckt viele Unternehmen in den großen westlichen Industrienationen ab. Folge: Allein in Deutschland ist die Zahl der öffentlich handelbaren Unternehmen seit der Jahrtausendwende um zwei Fünftel zurückgegangen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

"Das ist eine dramatische Entwicklung", sagt Gregor Böhm, Co-Leiter für das Private-Equity-Geschäft in Europa bei Carlyle. Global gesehen liegt die Zahl börsennotierter Unternehmen seit 2006 zwar recht stabil bei etwa 43.000, heißt es laut einer Weltbank-Analyse. In Deutschland aber präsentiert sich ein anderes Bild: 438 Unternehmen zählte die Weltbank im Jahr 2020 - so viele wie in den Achtzigern, aber viel weniger als um die Jahrtausendwende. Zum Vergleich: Noch 2007 konnten Börsenbegeisterte unter von 761 gelisteten Firmen wählen. Auch in den Vereinigten Staaten herrscht Stillstand, berichtet die Unternehmensberatung McKinsey.

Immenser Aufwand
Woran liegt’s? Die Börsenexistenz wird zum einen ganz klar durch regulatorische Anforderungen deutlich erschwert. Als abschreckender Faktor gelten laut Carlyle vor allem die "sehr hohen Compliance-Kosten". Dazu kommen Rechtsrisiken, denn gerade in den USA sind Schadenersatzforderungen mittlerweile Alltag. Auch vor einem Börsengang zu betreibende Aufwand ist, was die Berichtspflichten betrifft, nicht eben kleiner geworden.
"Abseits der Börse kann man besser langfristig investieren", stellt Böhm fest. Generell seien Unternehmen seit geraumer Zeit nicht mehr so stark auf den Aktienmarkt als Kapitalbeschaffungsquelle angewiesen: Mit den seit Jahren zinsgünstigen Krediten können sie sich kostenschonender finanzieren. (as)