Das Thema Aus- und Weiterbildung wird für Finanzdienstleister immer mehr zur Überlebensfrage. Der Bedarf an verschiedensten Ausbildungsangeboten steigt dementsprechend stark. Etliche Berater entscheiden sich heute bereits für eine weiterführende akademische Ausbildung, um für die Zukunft gewappnet zu sein. 
FONDS professionell traf drei von in Wien und sprach mit ihnen über ihren Weg in die Finanzberatung und ihre Beweggrunde bei der Wahl der Ausbildung. Sieht man sich das Pensum an, das sie sich selbst auferlegt haben, kann man sich kaum vorstellen, dass vor gar nicht so langer Zeit viele Marktteilnehmer praktisch ohne ­jede fachliche Qualifikation in den Finanz­sektor wechselten.

Alle drei haben sich für den Diplomlehrgang bei der Fachakademie für ­Finanzdienstleister (FAF) entschieden, ­Janosch Schmalseder und Norbert Kaszuba sind zudem bereits im zweiten Semester des von der FAF in Zusammenarbeit mit der IMC FH Krems angebotenen Masterlehrgangs. Der Dritte im Bunde, Johannes Egger, will in Kürze ebenfalls den Masterlehrgang absolvieren. Schmalseder interessierte sich schon früh für Wertpapiere und absolvierte in Deutschland eine Bankausbildung. Im Beruf des Bankkaufmanns sah er eine Möglichkeit, sich mit der Materie auch beruflich auseinanderzusetzen. "Für mich war das der schnellste Weg, um in diese Richtung zu kommen. Nach der Bankausbildung habe ich dann ein halbes Jahr an der Börse in Stuttgart im Trading-Bereich gearbeitet. Über Umwege landete ich dann in der Baufinanzierung."

Nach Wien, wo Schmalseder derzeit beim Bank Austria Finanzservice (BAF) im Finanzierungsbereich arbeitet, kam er aus privaten Gründen. Das BAF war laut Schmalseder letztlich auch ausschlaggebend für die Wahl der weiteren Ausbildung. "Der FAF-Diplomlehrgang wurde mir von der BAF ermöglicht. Für mich war das sehr interessant, um auch die österreichischen Unterschiede im Bereich der Regulatorik kennenzulernen." Derzeit ist Schmalseder gerade dabei, auch den MSC über die FAF zu machen. Neben der Analyse und Entwicklung von komplexen Finanz- und Versicherungsprodukten liegt der Fokus dieses Lehrgangs auf dem Bereich Compliance inklusive wirtschaftlicher Ethik, Risikomanagement und ­Digitalisierung. Insgesamt dauert der MSC-Lehrgang drei Semester plus ein weiteres für die Masterarbeit. Im MSC-Lehrgang sieht Schmalseder vor allem einen möglichen Vorteil, um im Berufsleben voranzukommen: "Die Ausbildung bietet mit Sicherheit die Möglichkeit, sich in einem Unternehmen für höhere Aufgaben zu qualifizieren und neue interessante Gebiete kennenzulernen." 

"Vorbelastung"
Norbert Kaszuba ist der Beruf des Vermögensberaters und Versicherungsmaklers hin­gegen sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden. Kaszubas Vater ist seit fast 30 Jahren in diesem Bereich tätig. "Da war natürlich im positiven Sinn eine gewisse Vorbelastung vorhanden. Nach der Schule habe ich gleich den Maklerschein gemacht, und der nächste Schritt war 2015 dann der Diplomlehrgang bei der FAF." Dabei sieht Kaszuba die Weiterbildung – sowohl auf freiwilliger als auch auf verpflichtender Basis – vor allem als wichtiges Instrument, um das Bild des Vermögensberaters wieder ins rechte Licht zu rücken.

"Die Branche hat einen schlechten Ruf, und den gilt es zu reparieren. Wir sind diejenigen, die nun an der Front stehen und auch die Chance haben, das Bild des Vermögensberaters in der Öffentlichkeit wieder zu verbessern. Dementsprechend muss man sich auch weiterbilden.“ Und das tut der junge Berater auch, neben den Ausbildungen bei der FAF befindet sich Kaszuba auch im Weiterbildungsprogramm "Future Ready", das von der Standard Life Versicherung organisiert wird. Es unterstützt Versicherungsvermittler dabei, ihr eigenes Unternehmen besser am Markt zu positionieren.

Zur FAF ist Kaszuba damals im Übrigen auch über die Standard Life Versicherung ­gekommen, einer der Sponsoren des Ausbildungsinstituts. Mit der Qualität der FAF war Kaszuba dabei anscheinend zufrieden, mittlerweile ist er, wie auch Schmalseder, im zweiten Semester des FAF-Masterlehrgangs. "Ausschlaggebend war hier das Thema Digitalisierung. In diesem Bereich wird sich in ­unserer Branche noch viel tun. Da sich die Module des MSC-Lehrgangs auch stark mit diesem Thema befassen, hat sich das aus meiner Sicht angeboten.“ Im Familienunternehmen werden derzeit um die 1.200 Kunden betreut, 300 davon betreut Kaszuba persönlich. Spezialisiert ist man dabei auf Vermögensaufbau und -erhalt sowie betriebliche Altersvorsorge. Gerade für Letzteres sieht Kaszuba auch einen Vorteil im MSC-Lehrgang: "Wir machen viel betriebliche Altersvorsorge und haben dadurch immer wieder Termine mit Vorständen und Geschäftsführern, da ist eine fundierte Ausbildung natürlich von Vorteil." 

Quereinsteiger 
Der Quereinsteiger in der Runde ist Vermögensberater Johannes Egger aus Oberösterreich. Er begann seine berufliche Laufbahn ­eigentlich als Tischler. "Das wurde damals von den Eltern so vorgegeben, ich hatte eigentlich keine andere Wahl." Nebenbei interessiert sich Egger allerdings schon früh für die Geschehnisse an den internationalen Börsen.

Über Bekannte kam er schließlich zum Thema Vermögensberatung und absolvierte 2011 und 2012 die Prüfung zum gewerblichen Vermögens­berater beziehungsweise zum Versicherungsmakler. 2014 wurde er auf den akademischen Finanzdienstleister aufmerksam. "Anfangs war ich mir allerdings alles andere als sicher, ­damals habe ich das ja nur nebenberuflich gemacht und alle Ausbildungen selbst finanziert. Am letztmöglichen Tag habe ich dann eingezahlt, und rückblickend war es die beste Entscheidung meines Lebens." (gp)


Den vollständigen Artikel finden Sie ab Seite 190 in der aktuellen Heftausgabe 1/2019 von FONDS professionell. Angemeldete Mitglieder des FONDS professionell KLUBs können den Artikel auch im E-Magazin lesen.