Wegen Trump-Eskapaden: Österreichs Banken prüfen Bezahlsystem "Wero"
Trump sei Dank: In die oft totgesagte private europäische Bezahllösung Wero kommt wieder Schwung. Revolut steigt gerade ein. Und Österreichs Banken bekunden offiziell ihr Interesse an einer Beteiligung. Erst kürzlich hat EZB-Chefin Christine Lagarde wegen der Dominanz der US-Bezahldienste gewarnt.
Die österreichische Bankenbranche prüft einen Einstieg beim europaweiten digitalen Bezahlsystem Wero, wie Bankenobmann und CEO der RLB NÖ-Wien Michael Höllerer in einer Aussendung mitteilt. Man analysiere über das Payment Service Austria (PSA) gerade den Kundennutzen sowie die "wirtschaftlichen und technischen Aspekte einer europäischen Bezahllösung". Am Transaktionsdienstleister PSA sind rund 20 der wichtigsten Banken und Bankverbände in Österreich beteiligt.
Mit Wero – ein Kunstwort aus "we" (engl. wir) und "Euro" – können Kunden direkt von Bankkonto zu Bankkonto in Echtzeit Geld übertragen. Die Parteien brauchen dafür nur die Handynummer oder die Mailadresse; umständliches IBAN-Eintippen fällt weg. Gedacht ist Wero als Alternative zu den US-Finanzriesen.
Strategisches Problem
Seit Ewigkeiten werden der bargeldlose Zahlungsverkehr beziehungsweise grenzüberschreitende Verbrauchertransaktionen in Europa von US-Firmen wie Mastercard und Visa dominiert; in manchen Ländern wie Finnland, Polen, den Niederlanden oder Irland wickeln diese beiden Anbieter nahezu alle Kartenzahlungen ab. Dazu kommen digitale Anbieter wie Paypal, Apple Pay und Google Pay. Und der chinesische Dienst Alipay drängt ebenfalls in den Markt.
Kritikpunkte, wie die Frage nach dem Abfluss europäischer Nutzerdaten, hatten nie gereicht, um europaweite Angebote zu etablieren. Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump dürfte nun aber dem Gedanken einer europäischen Bezahllösung neues Leben einhauchen. Wegen des wirtschaftlich und politisch aggressiven Auftretens Trumps wird die Abhängigkeit Europas beim Zahlungsverkehr zunehmend zum realen strategischen Problem.
Rudorfer: "Geopolitik spielt klar eine Rolle"
Dass Trumps Verhalten die Wero-Überlegungen beflügelt hat, bestätigt Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Die geopolitischen Veränderungen der vergangenen Monate spielen klarerweise eine maßgebliche Rolle, dass Europa seine Bemühungen massiv verstärkt hat, auch im Zahlungsverkehr und im Bereich der Digitalisierung mehr Souveränität zu erlangen und zu sichern", so Rudorfer gegenüber der Redaktion. Im Lichte der Entwicklung hätten "europäische Bezahllösungen ein anderes Gewicht und Stellenwert erhalten".
Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte vor Kurzem in einem Interview mit "Newstalk": "Was wirklich wichtig für uns alle wäre, ist, die digitalen Zahlungen unter unserer Kontrolle zu haben." Und weiter: "Wir müssen diese Verletzlichkeit reduzieren und sicherstellen, dass es ein europäisches Angebot gibt."
Bewegung
Tatsächlich ist Bewegung in die Wero-Bemühungen gekommen: Im Juni verkündeten die großen Luxemburger Banken, dass sie in den Launchprozess einsteigen. Dort wird Wero das bisherige nationale System Payconiq ersetzen. Für diesen Juli kündigte die britische Handybank Revolut die Wero-Integration in die eigene App an. Und fünf weitere belgische Banken gaben Anfang dieser Woche ihren Wero-Start für kommendes Jahr bekannt.
Ob Wero wirklich zum europaweiten System aufsteigen kann, steht noch in den Sternen. 2024 gestartet, haben sich erst rund 40 Millionen User registriert. Es nehmen vorerst nur Banken aus Frankreich, Belgien und Deutschland teil – aus den anderen großen Märkten wie Spanien und Italien ist derzeit kein Institut mit von der Partie. Zudem sind momentan nur Überweisungen zwischen Verbrauchern möglich. E-Commerce-Zahlungen sollen laut Wero in der zweiten Hälfte 2025 dazukommen.
Viele nationale Initiativen
Bis jetzt ist das Angebot für bargeldlose Zahlungen am Kontinent höchst zerspragelt. Viele Länder haben Alleingänge hingelegt: Bei den Handy-Anwendungen gibt es in Spanien etwa Bizum, in Norwegen Vipps, in Schweden Swush und so weiter. Dementsprechend ist auch die Frage, ob Nutzer bereit sind, von den gewohnten nationalen Alternativen auf Wero umzusteigen.
Hinter der Lösung steht die von 16 Banken und Finanzdienstleistern organisierte European Payments Initiative (EPI). Wero ist entweder in der eigenen Bankinganwendung integriert oder wird als eigene App heruntergeladen. (eml)















