Krieg, hohe Inflation, Zinswende – das sind die Ereignisse, die die Kapitalmärkte derzeit in Atem halten. Doch auch wenn die aktuellen Schwankungen extrem ausfallen, selbst in Zeiten ohne größere Krisen sind die Börsenkurse laufend in Bewegung, und zwar nach oben wie nach unten. "Für Anleger bedeutet das, dass sich auch die Zusammensetzung ihres Anlageportfolios laufend verändert", macht Klaus Porwoll, Gründer und Inhaber der unabhängigen Honorar-Finanzberatung Pecuni-Ars in Berlin, in einem Marktkommentar klar.  Das ist problematisch – schließlich stimmt das Portfolio dann nicht mehr mit der Risikoneigung des Anlegers zusammen.  Dem sollten sie mit einem regelmäßigen Rebalancing entgegenwirken. 

Wie kann man das in Praxis lösen? Angenommen ein Portfolio besteht aus 70 Prozent Aktien und 30 Prozent sicheren Anleihen. Aufgrund von Marktbewegungen machen Aktien nun aber 80 Prozent aus, Anleihen nur noch 20 Prozent. "Dann müssen Sie so lange Aktien verkaufen und Anleihen nachkaufen, bis Sie ihre ursprüngliche Allokation von 70 zu 30 wieder hergestellt haben", so Porwoll. Das Interessante daran ist, dass Anleger damit antizyklisch vorgehen. Statt den Gewinnern hinterherzulaufen, kauft man so die Anlageklasse nach, die schlecht gelaufen und damit günstiger geworden ist, und nimmt zugleich bei der sich besser entwickelnden Assetklasse Gewinne mit.

Antizyklisches Vorgehen gewinnt
"Langfristig, das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder, zahlt sich diese antizyklische Vorgehensweise, mit der Anleger zudem ihr Bauchgefühl ausschalten, tatsächlich aus", erklärt Porwoll weiter. Allerdings empfiehlt er dies, auch aufgrund der damit verbundenen Kosten, ein- oder höchstens zweimal im Jahr durchzuführen. Dass dabei ein hohes Maß an Disziplin erforderlich ist, weiß der Experte aus Erfahrung. "Es ist in der Tat nicht für jeden Investor ganz einfach, die schlecht gelaufene Anlageklasse nachzukaufen und Gewinnerpositionen abzubauen." Aus diesem Grund kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn so kann der Anleger sicherstellen, dass ein solches Rebalancing tatsächlich regelmäßig durchgeführt wird. (jb)