Transparent, günstig und flexibel: Mit diesen Schlagworten werben Anbieter börsengehandelter Indexfonds (ETFs) für ihre Produkte. Doch es sind nicht allein die geringen Kosten, die Anleger in Scharen in die Indexfolger locken. Der wichtigste Grund – zumindest in den USA – sind vielmehr die Steuervorteile, die Investoren bei ETFs gegenüber herkömmlichen Fonds winken. Zu diesem Ergebnis kamen drei Finanzwissenschaftler in einer Studie, über die die Wirtschaftszeitung "Financial Times" berichtet.

Der Auswertung zufolge ziehen vor allem Privatinvestoren ihr Geld aus aktiven Fonds ab und schichten es in passive Vehikel um. Besonders deutlich sei der Effekt bei vermögenden und hochvermögenden Privatinvestoren, bei denen die Steuerlast besonders ins Gewicht fällt. "Der Steuervorteil von ETFs ist der Hauptkatalysator für die massive Abwanderung von Anlegern aus aktiven Investmentfonds hin zu ETFs in den letzten zwei Jahrzehnten", schreiben die US-Forscher Rabih Moussawi, Ke Shen und Raisa Velthuis.

"Eine Überraschung"
Den drei Forschern zufolge entspringt die Steuervergünstigung von ETFs einer Besonderheit in der Abwicklung. Bei Anteilsausgaben oder Rücknahmen handeln die Portfolioverwalter häufig nicht die zugrundeliegenden Wertpapiere, sondern Körbe mit ähnlichen Wertpapieren, sogenannte "in-kind"-Transaktionen. Diese Handelsaktivität findet damit außerhalb des Fonds statt – worauf nach US-Steuerrecht keine Abgaben anfallen. Klassische Fonds kaufen und verkaufen hingegen die zugrundeliegenden Wertpapiere direkt – worauf Steuern anfallen.

Diesen Unterschied nutzen Anleger aus. "Das war eine Überraschung für uns", sagt Moussawi der "Financial Times". Jeder spreche davon, wie bedeutend hohe Gebühren und die häufige Underperformance aktiver Investmentfonds für die Mittelabflüsse seien. So zogen Anleger über die vergangenen Jahre eine Billion Dollar aus aktiven US-Fonds ab. Die passiven Pendants hingegen verzeichneten Zuflüsse in fast gleicher Höhe. Auch in Europa sammeln ETFs massiv Neugeld ein. Anders als in den USA gibt es aber keine so deutlichen Steuervorteile. (ert)