Walter Schmitz, ein Urgestein des deutschen Fondsvertriebs, hat zum 1. Mai 90 Prozent der Anteile an Prima Fonds erworben – der Gesellschaft, die er einst selbst gegründet und 2013 dann verkauft hatte. Die restlichen zehn Prozent haben Marco Kantner und Frank Berberich mit ihrem Unternehmen Infos AG erworben. Entsprechende Informationen von FONDS professionell ONLINE bestätigten Schmitz und Kantner auf Anfrage der Redaktion. Verkäufer sind der Wiesbadener Finanzdienstleister VSP Financial Services und der Hamburger Maklerpool Netfonds. VSP hielt 65 Prozent der Prima-Anteile, Netfonds den Rest.

Mit der Transaktion kehrt eine Legende der deutschen Fondslandschaft in die Branche zurück – das "Handelsblatt" bezeichnete Schmitz vor einigen Jahren als "Star-Fondsvermittler". Der Rheinländer baute einst die Vertriebsgesellschaft Gamax auf, die er später für angeblich 70 Millionen Euro an den italienischen Finanzkonzern Mediolanum verkaufte. Im Jahr 2005 feierte der damals 65-Jährige mit der Gründung der Fondsgesellschaft Prima Management sein Comeback. 2013 veräußerte er auch diese Gesellschaft – diesmal an VSP und Netfonds (FONDS professionell ONLINE berichtete). Nun folgt gewissermaßen sein zweites Comeback.

"Ich möchte mich noch nicht zur Ruhe setzen"
"Mir war schon vor sechs Jahren klar, dass Fonds nicht mehr nur über Vertreter vermittelt werden können, sondern dass es auch einen Online-Vertrieb braucht", sagt Schmitz rückblickend. "Ich fühlte mich damals zu alt, einen solchen Vertriebskanal selbst aufzubauen, darum habe ich Prima Fonds 2013 an VSP veräußert, die im Internet bereits aktiv waren." Einige Jahre später bereute er diesen Schritt. "Ich möchte mich noch nicht zur Ruhe setzen", sagt Schmitz, heute 78 Jahre alt, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Es war nicht so, dass VSP und Netfonds aktiv einen Käufer für Prima Fonds gesucht hätten – vielmehr bin ich auf die Unternehmen zugegangen, weil ich wieder einsteigen wollte."

Schmitz ist selbst der größte Investor in den Prima Fonds. Bei Unternehmensgründung steckte er einen zweistelligen Millionenbetrag aus dem Gamax-Verkauf in die Portfolios. Einige Prima-Fonds wurden mittlerweile mit anderen Portfolios verschmolzen. Doch der Prima Global Challenges, der von Acatis-Gründer Hendrik Leber gemanagt wird, und der von Starmanager Frank Fischer gesteuerte Prima Globale Werte sind nach wie vor am Markt.

"Kostenlose Werbung für unseren Fonds"
"Der Prima Global Challenges hat in den vergangenen zehn Jahren eine Performance von mehr als zwölf Prozent per annum abgeliefert", berichtet Schmitz. "Das ist meiner Meinung nach ein außergewöhnlich guter Wert." Schmitz sieht die "seltene Gelegenheit, einen selbst initiierten Fonds mit einer hervorragenden Performance zu vermarkten". Das sei den früheren Besitzern nicht gelungen. "Das Volumen der Prima-Fonds war zuletzt etwa genau so groß wie 2013, als ich ausgestiegen bin", sagt er. "Angesichts der tollen Historie des Fonds traue ich mir zu, das Volumen auf Sicht von fünf Jahren auf eine Milliarde Euro zu bringen. Das ist eine Herausforderung, die mir Spaß bereitet!" Aktuell verwaltet der Fonds nur rund 70 Millionen Euro. Im Prima Globale Werte liegen gut 50 Millionen Euro.

Ein Grund, weswegen Schmitz so optimistisch ist: Der Prima Global Challenges besetzt seit einigen Jahren das Thema Nachhaltigkeit. "Die Menschen hören jeden Tag vom Klimawandel, von Problemen mit der Wasserversorgung oder dem Plastikmüll im Ozean", so Schmitz. "Das ist im Grunde kostenlose Werbung für unseren Fonds – wir müssen diese Steilvorlage nur nutzen."

Kombination aus klassischem Vertrieb und Online-Vermarktung geplant
Schmitz möchte zum einen auf alte Kontakte im klassischen Vertrieb setzen – zu Gamax-Zeiten hatte er zeitweise mehr als 4.000 Vermittler angebunden. Zum anderen soll die Online-Vermarktung dieses Mal wirklich funktionieren. "Dafür habe ich mit Marco Kantner und Frank Berberich die richtigen Partner gefunden", ist Schmitz überzeugt.

Die beiden Vermittler aus dem unterfränkischen Miltenberg haben unter anderem das Portal Fonds-Super-Markt.de aufgebaut, auf dem Anleger zu Discountpreisen Fonds erwerben können – und zählen zu den erfolgreichsten gewerblichen Finanzanlagenvermittlern Deutschlands. Ihre Firmengruppe, zu der auch der "Fonds Laden" gehört, betreut rund 460 Millionen Euro. Kantner und Berberich haben die Option, ihren Prima-Anteil von aktuell zehn Prozent aufzustocken.

Für Anleger der Prima-Fonds ändert sich nichts
"Die beiden Prima-Fonds sind gut geeignet, um sie online zu vermarkten", sagt Kantner. Der Sitz der Prima Fonds Service GmbH wird von Wiesbaden nach Miltenberg verlegt – mit Außenstelle in Bergisch-Gladbach, wo Schmitz wohnt. Der bisherige Prima-Geschäftsführer Thomas Hellener wird sich künftig auf Solit Kapital konzentrieren, einer anderen VSP-Beteiligung. Die Vertriebsdirektoren, die vom Home-Office aus arbeiten, bleiben an Bord.

"Wichtig für Anleger ist, dass sich an den Prima-Fonds nichts ändern wird", betont Kantner. "Die Manager bleiben die gleichen, und als Kapitalverwaltungsgesellschaft wird weiterhin IP Concept dienen." (bm)