Vertriebsprofi: "Eine gewisse Geiz-ist-geil-Mentalität zu beobachten"
Die Bayerninvest dringt in den Wholesale-Vertrieb vor. Die BayernLB-Tochter setzt dabei auf ein Segment, das in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebte und nun wieder gefragt ist, wie Vertriebschef Marcus Perschke berichtet.
Die Bayerninvest konzentrierte sich lange auf eine eher institutionellen Kundschaft. Doch vor gut vier Jahren begann die Fondstochter der BayernLB, sich beherzt in das Wholesale-Segment vorzutasten. Nun zeichnen sich erste Erfolge ab, wie Marcus Perschke erläutert, der die Leitung des Wholesale-Vertriebs innehat. Obendrein startete das Haus jüngst eine Expansion und brachte in Österreich auf einen Schlag 15 Fonds auf den Markt.
Herr Perschke, Ihr Haus ist vor gut vier Jahren in den Wholesale-Vertrieb eingestiegen. Welche Strategie kommt bei den Kunden gut an?
Marcus Perschke: Die größten Erfolge haben wir in den vergangenen Jahren mit unserem Bayerninvest Renten Europa-Fonds erzielt. Der Fonds investiert in Staatsanleihen und mischt Unternehmensanleihen bei. Er hat eine herausragende Performance erzielt. Bis 2022 interessierten sich nur wenige Anleger für Anleihenfonds. Das hat sich geändert. Die Nachfrage nach Rentenfonds ist deutlich gestiegen. Dennoch hat sie noch nicht das Niveau erreicht, auf dem sie langfristig sein sollte.
Welches Niveau erwarten Sie denn?
Perschke: Nach vielen Jahren steigender Aktienkurse stehen die Warnlampen auf Gelb. Wer Verantwortung für Kundengeld trägt, sollte Risiken in den Portfolios schrittweise reduzieren. Das erfolgte in der Vergangenheit überwiegend mit einer Umschichtung in Anleihen. Heute lassen sich viele Anleger von Kryptowährungen und anderen Modethemen blenden. Doch die klassische Aufteilung von Aktien und Renten hat nicht ausgedient.
Anleger greifen immer mehr zu börsengehandelten Fonds – auch bei Anleihen. Kann ein aktiver Fonds da überhaupt punkten?
Perschke: In der Vergangenheit gab es Phasen, da taten sich aktive Manager tatsächlich schwer damit, bei Aktien eine Mehrrendite zu erzielen. Bei Bonds sieht das Bild aber anders aus. Hier lässt sich mit aktivem Management durchaus eine Mehrrendite gegenüber dem Index erzielen. Ein Großteil der Outperformance erzielen unsere Fondsmanager mit ihrem aktiven Durationsmanagement.
Finden Sie damit Gehör bei Ihren Kunden?
Perschke: Bei vielen Investoren ist immer noch eine gewisse Geiz-ist-geil-Mentalität zu beobachten. Doch angesichts der strapazierten Bewertungen an den Aktienmärkten scheint mir jetzt die Zeit gekommen, die Diversifikation wieder stärker in den Vordergrund zu rücken – und sich einer Anlageklasse zuzuwenden, die über Jahre vernachlässigt worden ist: den Anleihen. Die Erfahrung zeigt: Besonders aussichtsreich sind häufig dann jene Anlageklassen, wenn sich das Gros der Investoren nicht dafür interessiert.
Ihr Haus hat zudem Aktienfonds mit der Schwestergesellschaft DKB gestartet, der Direktbanktochter der BayernLB. Diese verfolgen einen nachhaltigen Ansatz. Finden die Fonds noch Anklang?
Perschke: Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit in den Hintergrund gerückt. Natürlich besteht von institutionellen Investoren sowie von Dachfondsmanagern und Privatbanken, die sich als nachhaltig positionieren, weiterhin eine Nachfrage. Doch abseits davon hat das Interesse spürbar nachgelassen. Zudem hat sich gezeigt, dass unter den Anbietern das Wettrennen um das nachhaltigste Angebot oftmals stärker über die Marketingbudgets als über Inhalte geführt wurde. Wir verfügen hingegen über die Kompetenz, nachhaltige Portfolios auch mit der nötigen Substanz dahinter zu verwalten. Mit dem Bayerninvest Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz bieten wir eine Lösung, um gezielt in Unternehmen zu investieren, die von der Transformation zu einer CO2-armen Wirtschaft profitieren, und damit Nachhaltigkeit und langfristige Renditechancen zu verbinden.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)














