In Österreich gibt es nach Rechnung des Wirtschaftsministeriums rund 18.000 Versicherungsvermittler. Bei dieser hohen Zahl ist es keine Überraschung, dass darunter auch welche sind, die die gesetzlichen Standards unterschreiten. Nachdenklich stimmt allerdings, dass bei näherem Hinsehen in manchen Vertriebssparten die Dichte an Verfehlungen relativ hoch ist.

Bei einer Schwerpunktkontrolle im Jahr 2021 hat das Marktamt Wien, das unter anderem für die Kontrolle des gewerblichen Versicherungsvertriebs in der Bundeshauptstadt zuständig ist, zahlreiche Mängel festgestellt, wie die Redaktion erfuhr. Es wurden 66 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Unternehmen auf die Einhaltung der Gewerbeordnung hin überprüft – dem Markamt zufolge handelte es sich zu gleichen Teilen um Vermögensberater, Versicherungsmakler und Versicherungsagenten. Das Ergebnis: 26 Betriebe wurden angezeigt, wie es aus dem Marktamt heißt. Das sind immerhin knapp 40 Prozent der Geprüften.

Versicherungsagenten mit höchster Missstands-Quote
Laut Marktamtsprecher Alexander Hengl wurden konkret fehlende Weiterbildung, fehlende Produktprospekte, mangelhafte Beratungskontrollen und mangelhafte Bedarfsanalysen festgestellt. Sehr deutlich zeigt sich dabei, dass bei den Versicherungsagenten der größte Bedarf an Anpassungen besteht: Hier wurden 13 Betriebe angezeigt. Das ist – auf Basis der Zahlenangaben des Markamtes, wonach Agenten-, Makler und Vermögensberater zu gleichen Teilen kontrolliert wurden – mehr als die Hälfte der Geprüften. Bei den Versicherungsmaklern gab es neun Anzeigen, während es bei den Vermögensberatern nur vier waren.

Horst Grandits, Obmann des Bundesgremiums der Versicherungsagenten der Wirtschaftskammer, sagte gegenüber der Redaktion, dass sich beim Fachverband keiner der geprüften Versicherungsagenten mit einer Beschwerde über die Kontrollen gemeldet hätte. Ein Hinweis, dass die Rügen der Prüfer wohl zurecht ausgesprochen wurden. Es gebe einige Mitglieder, die die Missachtung von Erfordernissen wie der Weiterbildungen "noch immer in die Schublade des Kavaliersdeliktes geben", so Grandits. "Wir haben immer darauf hingewiesen, dass es Kontrollen gibt. Diese sind gerechtfertigt, und man muss sich darauf vorbereiten", sagte Grandits.

Sanktionen liegen bei den Bezirksämtern
Martamtsprecher Hengl erklärte, man habe die Anzeigen an die jeweils zuständigen Bezirksämter übermittelt. Diese sind die eigentliche Gewerbebehörde und damit in weiterer Folge für die Verhängung etwaiger Strafen zuständig. Wie eventuelle Sanktionen ausfallen, oder es ob danach zu Gewerbeentzungsverfahren kam, könne das Marktamt, das nur die Kontrollen ausführt, nicht einsehen.

Bei einer Kontrolle im Jahr 2020 hatte das Marktamt ebenfalls bereits etliche Missstände festgestellt – jedoch verhältnismäßig weniger als diesmal. Damals hatten 19 von 70 geprüften Betrieben die Standards unterschritten. Offenbar haben die damals Geprüften die Anregungen ernst genommen: Nachkontrollen, "die laufend notwendig sind und somit nicht zu hundert Prozent durchgeführt wurden", hätten bis dato keine Mängel mehr ergeben, so Hengl. (eml)