Versicherungsmathematiker: "Sehe keine Altersdiskriminierung"
Bei einer Branchendiskussion standen Vorsorgeprodukte für Ältere im Mittelpunkt. Den oft vorgebrachten Vorwurf, es gebe keine passenden Produkte, wies ein Experte zurück. Er appellierte an die Berater, die Informationen für die Altersgruppen entsprechend aufzubereiten.
Versicherungsangebote für ältere Menschen sind entweder zu teuer oder es gibt zu wenige Produkte für Ältere. Das sagen zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Befragten einer Marketagent-Umfrage im Auftrag der Afpa. Der Branchenverband für selbstständige Versicherungsvermittler und Finanzberater hat dazu unlängst einen Marktdialog abgehalten.
Es gebe zwar Anbieter, die generell bei gewissen Produkten gewisse Altersstufen nicht versichern. Eine durchgehende Altersdiskriminierung durch benachteiligende Berechnungsmodelle sehe er bei Ansparprodukten und Vorsorgelösungen wie der Erlebensversicherung aber nicht, sagte Gerhard Danler, Versicherungsmathematiker und Geschäftsführer des auf betriebliche Vorsorge spezialisierten Beratungsunternehmens Moser Danler. Zwischen mit 30 oder mit 60 Jahren abgeschlossenen 20-jährigen Erlebensprodukten stelle er kaum Unterschiede bei Vertragssumme oder erwartetem Gesamtkapital fest.
Hohe Tarifunterschiede bei Ableben
Bei Produkten wie der Ablebensversicherung sei jedoch eine unterschiedliche Behandlung Realität, was wegen der je nach Altersgruppe unterschiedlichen Sterbewahrscheinlichkeit schlüssig sei. Dass bei der Prämienkalkulation Risikowahrscheinlichkeiten einfließen, sei gerechtfertigt und gelte auch umgekehrt, wenn etwa Jüngere in der Kfz-Versicherung mehr bezahlen müssen.
Beim Vorwurf, es gebe keine Produkte für Ältere, "da muss ich schon an die Beraterwelt appellieren", sagte Danler. Er sieht bei den Beratern einen Auftrag, den verschiedenen Altersgruppen die richtigen Informationen zu übermitteln und die Unterlagen entsprechend aufzubereiten.
Betriebliche Vorsorge
Was die Menschen mit geringem Einkommen betrifft, müssten die Berater besonders die Arbeitgeber aufklären, dass diese "wirklich eine soziale Leistung erbringen" können, so Danler. Man müsse den Arbeitgebern die Möglichkeiten der steuerlichen Begünstigungen verdeutlichen.
Ulrike Weiß, Konsumentenschutz-Leiterin in der Arbeiterkammer Oberösterreich, verwies im Rahmen des Dialogs auf die verschiedenen Gründe, warum Menschen von der privaten Vorsorge oft Abstand nehmen. Neben der oft fehlenden Leistbarkeit würden auch Komplexität oder große Auswahl die Anleger verunsichern. Bei staatlich geförderten Produkten fordert sie eine Begrenzung von Kosten. Da sei aber zuerst einmal ein gutes Produkt nötig. (eml)















