Bio, Öko, Fairtrade – die Zahl der Siegel, die Nachhaltigkeit bescheinigen sollen, wächst seit Jahren. Was schon am Lebensmittelregal für mehr Verwirrung als Aufklärung sorge, sei auch im Bereich der nachhaltigen Geldanlage zu hinterfragen, sagt Marc Pietzonka von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. Das Produktangebot sei für Laien kaum durchschaubar. Zu viele verschiedene Anbieter und Interessengruppen mit unterschiedlichem Verständnis von Nachhaltigkeit seien am Markt vertreten. Anleger könnten kaum beurteilen, ob Produktnamen und Werbeaussagen halten, was sie versprechen. Teils wird sogenanntes Greenwashing betrieben, um Produkte durch einen grünen Schein besser zu vermarkten.

Ratingagenturen prüfen Anlageinstrumente und vergeben Qualitätssiegel oder Zertifikate. Dienstleister wie Oekom Research oder Sustainalytics haben sich auf die Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen und Ländern spezialisiert. Sie vergeben Nachhaltigkeitsratings für Aktien und Anleihen. Dabei fließen soziale und ökologische Kriterien nach einem bestimmten Punktemodell in die Beurteilung ein. "Wie die jeweilige Agentur dabei vorgeht, definiert sie aber selbst. Für Außenstehende ist der Prozess teilweise schwer nachvollziehbar", kritisiert Pietzonka. "Auch nachhaltige Fonds wählen ihre Investments nach unterschiedlichen Methoden aus und sind damit schwer vergleichbar."

Grünfärberei unterbinden
Manche "Qualitätssiegel", die Fondsprodukten von angeblich neutralen Experten verliehen werden, seien deshalb mit Vorsicht zu genießen. "Logos für Investmentfonds, die direkt aus der Branche kommen, wie dem Transparenzlogo des Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V., beziehen sich bisher nur auf Transparenzpflichten der Anbieter und haben keine Vorgaben zum Selektionsprozess der Einzelanlagen zum Gegenstand", erklärt der Vermögensverwalter. Die Verbraucherzentralen forderten auf ihrer Berliner Tagung im Februar: "Ethisch-ökologische Geldanlagen brauchen Regeln". Das bringe zu Recht den Gesetzgeber ins Spiel, so Pietzonka. "Es ist zu überlegen, ob er die Grünfärberei unterbinden kann, indem er verbindliche Mindeststandards festlegt." Durch die Definition solcher Mindestanforderungen könnten Anleger leichter die Spreu vom Weizen trennen.

Bis es zur gesetzlichen Regelung komme, seien Anleger auf sich selbst gestellt. "Bei Investmentfonds ist es wichtig, sich den Auswahlprozess sowie das Ergebnis, den Wertpapierbestand in den entsprechenden Berichten, anzuschauen und zu prüfen, ob der Produktanbieter sich ganzeinheitlich mit Nachhaltigkeit beschäftigen oder dies nur ein Randthema in der Produktpalette ist", rät der Vermögensverwalter. Bei Einzelinvestments in Aktien oder Anleihen könne man zum Beispiel über sogenannte CSR-Berichte oder Ökobilanzen der Unternehmen tiefer in deren Nachhaltigkeitsprofil einsteigen. (fp)