Aktien sind insbesondere im Niedrigzinsumfeld unerlässlich, sagt Anlageprofi Markus Richert – und zwar unabhängig vom Alter der Investoren. Der Experte der Vermögensverwaltung Portfolio Concept rät dazu, gängige Börsen-Faustregeln, die aus dem Alter von Anlegern eine ideale Aktienquote ableiten, zu ignorieren. Solche Regeln gehen davon aus, dass langfristig orientierte Aktienanleger Schwankungen aussitzen können. Mit steigender Haltedauer von Aktien soll deshalb die Verlustwahrscheinlichkeit sinken, und die Chance, Gewinne zu erzielen, wachsen.

Je jünger der Anleger, desto höher also die Aktienquote? Nein, sagt Richert – und das liegt nicht nur daran, dass die Lebenserwartung in den Industrienationen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen ist. Der Vermögensexperte verweist auf eine Studie zweier US-Finanzprofessoren, die untersucht haben, welche Aktienquote für angehende Rentner in unterschiedlichen Kapitalmarktumfeldern ideal gewesen wäre, wenn man jedes Jahr vier bis fünf Prozent des Anfangskapitals entnimmt. Das Ergebnis: Eine steigende Aktienquote hätte sich gelohnt.

Fette Jahre bereiten auf magere Jahre vor
Zu den allermeisten Zeiten stellte sich in der Simulation mitnichten ein anfänglich hoher und dann sinkender Aktienanteil als optimal heraus, damit das Kapital bis zu 40 Jahre lang reicht – sondern exakt das Gegenteil: "Die Simulation zeigte eindrucksvoll, dass es günstiger ist, mit einem vergleichsweise niedrigen Aktienanteil von lediglich 20 Prozent in den Ruhestand zu starten und diesen Anteil dann Jahr für Jahr zu steigern", erklärt Richert. 

Durch die anfänglich niedrige Aktienquote sinkt das Risiko, sofort nach der Investition bei einem Aktienmarkt-Crash Verluste zu erleiden. "Umgekehrt fallen nach einigen guten Aktienjahren mögliche Einbrüche nicht mehr so stark ins Gewicht", sagt der Anlageexperte. Sein Fazit: "Zu alt für Aktien ist man nie." (fp)