Vermögensaufbau: Worauf die Generation Z achten sollte
Fast jeder zweite junge Österreicher fühlt sich finanziell nicht ausreichend abgesichert. Dennoch sieht der Österreichische Verband Financial Planners gute Chancen für langfristigen Wohlstand.
Hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten erschweren jungen Menschen in Österreich den Vermögensaufbau. Hinzu kommen hohe Anforderungen bei der Finanzierung von Wohneigentum. Der Österreichische Verband Financial Planners (AFP) sieht dennoch gute Chancen für die Generation Z, langfristig Vermögen aufzubauen – vorausgesetzt, sie beginnt frühzeitig und verfolgt eine konsequente Anlagestrategie.
Für AFP-Geschäftsführer Guido Küsters liegt ein wesentlicher Vorteil der etwa zwischen 1997 und 2012 Geborenen im langen Anlagehorizont. "Die Rahmenbedingungen sind für junge Menschen zweifellos anspruchsvoller geworden. Aber gerade die Generation Z hat einen entscheidenden Vorteil: Das ist Zeit", sagt Küsters. Wer bereits mit 20 oder 25 Jahren regelmäßig investiere, müsse nicht mit einem großen Vermögen starten.
Finanzielle Sorgen treffen auf hohe Lernbereitschaft
Der finanzielle Druck ist allerdings beträchtlich. Laut der aktuellen "Deloitte Gen Z & Millennial Survey 2026" fühlt sich beinahe die Hälfte der befragten Angehörigen der Generation Z und Millennials in Österreich finanziell nicht ausreichend abgesichert. Die Lebenshaltungskosten stellen dabei die größte finanzielle Sorge dar. Gleichzeitig zeige die Untersuchung eine hohe Bereitschaft, sich mit Finanzthemen auseinanderzusetzen und die eigene Situation zu verbessern.
Küsters rät dazu, auch mit kleinen monatlichen Beträgen eine Investmentroutine aufzubauen. Steige später das Einkommen, könne die Spar- und Investitionsrate entsprechend erhöht werden.
Der Zugang zum Kapitalmarkt ist für junge Anleger inzwischen vergleichsweise einfach. Sparpläne und günstige Online-Broker ermöglichen Wertpapierinvestments bereits mit geringen Beträgen. Breit gestreute Fonds könnten dabei einen wichtigen Baustein bilden. Allerdings sollten Anleger auch bei vermeintlich breit diversifizierten Produkten auf mögliche Konzentrationsrisiken achten – etwa durch einen hohen USA-Anteil oder eine starke Gewichtung einzelner Unternehmen.
Vorsicht vor Finanztipps aus sozialen Medien
Eine besondere Rolle spielen soziale Medien. Sie erleichtern zwar den Zugang zu Finanzinformationen, bergen nach Einschätzung des AFP aber auch Gefahren. Hinter Anlagetrends und Social-Media-Hypes könnten hohe Risiken und teilweise auch betrügerische Absichten stecken.
Küsters empfiehlt deshalb, Informationen kritisch zu hinterfragen und Anlageentscheidungen nicht spontan zu treffen. Ein langfristiger Vermögensaufbau erfordere einen Plan und eine Strategie, die zur persönlichen Situation passe. Professionelle Beratung könne dabei helfen, Chancen und Risiken einzuordnen.
Eigenheim bleibt eine Option – aber kein Muss
Auch Immobilien spielen beim Vermögensaufbau weiterhin eine Rolle. Der Einstieg in den österreichischen Immobilienmarkt bleibt allerdings anspruchsvoll. Laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) zieht die Kreditvergabe 2026 wieder leicht an, während sich die Kreditqualität stabilisiert hat.
Nach dem Auslaufen der KIM-Verordnung Ende Juni 2025 gelten deren verbindliche Vorgaben nicht mehr. Die Finanzmarktaufsicht FMA empfiehlt bei Wohnimmobilienkrediten jedoch weiterhin eine maximale Beleihungsquote von 90 Prozent, eine Schuldendienstquote von höchstens 40 Prozent des Nettoeinkommens und eine maximale Laufzeit von 35 Jahren.
Aus Sicht des AFP sollte Wohneigentum daher als möglicher Baustein des Vermögensaufbaus verstanden werden und nicht als zwingendes Ziel. Ob eine Immobilie sinnvoll sei, hänge vom jeweiligen Lebensentwurf und der finanziellen Situation ab.
Fünf Regeln für den Vermögensaufbau der Generation Z
Der Verband fasst seine Empfehlungen für die Generation Z in fünf Grundregeln zusammen:
- Früh anfangen: Bereits kleine regelmäßige Beträge können über einen langen Anlagezeitraum Wirkung entfalten.
- Liquiditätsreserve bilden: Unvorhergesehene Ausgaben sollten nicht dazu zwingen, langfristige Anlagen zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu verkaufen. Als Richtwert nennt der AFP ein bis drei Monatsgehälter, etwa auf einem verzinsten Tagesgeldkonto.
- Breit diversifizieren: Fonds und andere breit gestreute Anlagen können eine langfristige Basis bilden. Kurzfristige Anlagetrends sollten nicht die Gesamtstrategie bestimmen.
- Immobilie nicht als Pflicht betrachten: Wohneigentum kann ein sinnvoller Vermögensbaustein sein, passt aber nicht zu jeder finanziellen Situation und jedem Lebensentwurf.
- Steigendes Einkommen nutzen: Wer im Laufe seines Berufslebens mehr verdient und einen Teil des zusätzlichen Einkommens konsequent investiert, kann den langfristigen Vermögensaufbau beschleunigen.
Entscheidend sei zudem eine frühzeitige Finanzbildung. Angesichts der Vielzahl an verfügbaren Informationen werde es für junge Anleger immer wichtiger, seriöse Inhalte von Verkaufsversprechen und kurzfristigen Trends unterscheiden zu können. (mb)















