In einer Hausse an den Aktienmärkten erscheint der Vergleich mit Geldmarktsätzen wenig ambitioniert. Doch angesichts der Kursverfalls wegen der vom Coronavirus verursachten Pandemie wirken selbst Erträge auf Geldmarktniveau aktuell schon als echte Leistung. Die Leistungsmessung bei vermögensverwaltenden Fonds (VV-Fonds) stellt Anleger und ihre Berater also vor besondere Herausforderungen.

"Bei Mischfonds ist die Frage nach einem Vergleichsmaßstab ein zentrales Thema und schwieriger als bei sortenreinen Fonds", erläutert Stefan Gretschel, Geschäftsführer des Kölner Dachfondsspezialisten RP Rheinische Portfolio Management. "Bei Aktienfonds gibt es so etwas wie eine natürliche Benchmark, mit der die Entwicklung verglichen werden kann." So wird ein Portfolio mit Fokus auf deutsche Standardwerte sinnvollerweise am Leitindex Dax gemessen, für ein auf den Euroraum ausgerichtetes Pendant bietet sich der Euro Stoxx 50 an.

Benchmark-Mix
"Das sieht bei Mischfonds anders aus", sagt Gretschel. Denn eine defensive Strategie beispielsweise lässt sich kaum fair mit derselben Messlatte vergleichen wie ein Fondslenker, der grundsätzlich einen großen Teil des Vermögens in Aktien steckt. "Bei Mischfonds, die das Vermögen klassisch zwischen Aktien und Anleihen aufteilen, ist eine zusammengesetzte Benchmark durchaus angemessen", meint RP-Manager Gretschel.

Dies kann ein aus Renten- und Aktienbarometern zusammengesetzter Index sein. Das Mischungsverhältnis lässt sich dann auf konservative, ausgewogene oder aggressive Ansätze zuschneiden, also etwa 25 Prozent Aktienindex zu 75 Prozent Anleihen, 50 zu 50 oder eben mit höherem Aktienanteil. Hinzu kommt dann noch die Ausrichtung nach Anlageregionen oder Währungsräumen.

Konkrete Renditeangaben
"Schwieriger stellt sich das bei Absolute-Return- oder flexiblen Mischfonds dar", erklärt Gretschel. "Hier können Geldmarktsätze mit einem bestimmten Aufschlag durchaus ­eine gute Indikation sein." So wählen manche Anbieter Sätze wie Eonia, Euribor oder Libor plus einen bestimmten Aufschlag an Basispunkten. "Aus Sicht eines Endanlegers kann die Angabe einer konkreten Rendite, die angestrebt wird, sogar hilfreicher sein als eine zusammengesetzte Benchmark." Kunden wissen dann ganz konkret, mit welchen Erträgen sie rechnen können.


Eine clevere Wahl des Index kann die Wertentwicklung eines Fonds gut aussehen lassen. FONDS professionell hat die wichtigsten Mischfondskategorien im aktuellen Heft 1/2020 durchleuchtet.


"Professionelle Investoren wiederum bevorzugen zusammengesetzte Benchmarks, da diese auch eine Indikation auf das Risiko geben", berichtet der RP-Experte. Bei Absolute-Return-Fonds sei es wünschenswert, wenn neben einer Rendite über Geldmarkt auch Aussagen zu Risiken getroffen würden, etwa eine Zielvolatilität.

Blick auf die Konkurrenz
Eine weitere Möglichkeit ist der Vergleich mit der Konkurrenz. Ratinggesellschaften wie Morningstar, Scope, Lipper oder die auf vermögensverwaltende Produkte spezialisierte MMD Analyse & Advisory gruppieren die Fonds in Kategorien ein. Die Wertentwicklung eines Portfolios lässt sich dann anhand der unmittelbaren Wettbewerber messen. Aber auch hier gibt es Tücken. "Der Vergleich mit der Konkurrenz funktioniert besser, wenn die Vergleichsgruppe relativ homogen ist", merkt Gretschel an. "Das Feld der flexiblen Mischfonds beispielsweise ist hingegen recht inhomogen."

"Trotz aller Vorgaben der Regulierer können nach wie vor sehr unterschiedliche Referenzindizes und Regelungen zu Performancegebühren in die Prospekte geschrieben werden", resümiert Fondsselektor Gretschel. "Hier sollte man sich nicht blenden lassen, sondern die Konditionen genau prüfen. Denn letztlich können hieraus höhere Kosten für das Investment erwachsen." (ert)