Die aktuelle Mitgliederstatistik des Fachverbands Finanzdienstleister zeigt für Österreich ein klares Bild: Die gewerblichen Vermögensberater stabilisieren sich, während die Wertpapiervermittler massiv an Zahl verlieren. Auch die Wertpapierunternehmen setzen ihren langfristigen Abwärtstrend fort, wenn auch in deutlich moderaterem Tempo.

Vermögensberater
Die Zahl der gewerblichen Vermögensberater ist per 30. September 2025 auf 3.509 Personen gestiegen. Das entspricht einem Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Jahresende 2024 (3.492). Bereits im Vorjahresvergleich 2023 auf 2024 zeigte sich ein moderates Wachstum von einem Prozent. "Die Zahl der Finanzdienstleistungsunternehmen bewegt sich seit Jahren auf konstantem Niveau. Dies belegt erfreulicherweise, dass die österreichischen Finanzdienstleister krisenresistent geworden sind. Das ist sehr positiv zu bewerten", so Hannes Dolzer, Obmann des Fachverbandes Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer.

Langfristig betrachtet bleibt die Entwicklung jedoch rückläufig: 2012 waren österreichweit noch 4.299 Vermögensberater aktiv – heute sind es 18,4 Prozent weniger. Vor allem die Novellierung des Gewerberechts, durch die der Wertpapiervermittler an die Stelle des Finanzdienstleistungsassistenten (FDLA) treten sollte, löste den starken Rückgang aus. Die Entwicklung spiegelt aber auch die strukturelle Verschiebung wider: Die regulatorischen Anforderungen haben das Wertpapiergeschäft für Berater zunehmend unattraktiv gemacht, viele haben sich spezialisiert, ihre Tätigkeit eingeschränkt oder sind in andere Finanzberufe gewechselt.

Deutlich weniger Wertpapiervermittler
Der Run auf den Wertpapiervermittler blieb rückblickend auch aus. Zum dritten Quartal 2025 weist die Statistik nur noch 75 aktive Vermittler aus. Gegenüber Ende 2024 (99) entspricht das einem Rückgang von 24,2 Prozent. Bereits im Vorjahresvergleich 2023 auf 2024 verringerte sich die Zahl um 10,8 Prozent. Noch klarer wird die Entwicklung im längeren Zeitverlauf: Die Gruppe erreichte 2014 ihren Höchststand mit 308 Vermittlern – seither ist sie um 75,6 Prozent geschrumpft.

Wertpapierunternehmen
Die Zahl der Wertpapierunternehmen liegt zum dritten Quartal 2025 bei 124, am Jahresanfang waren es 127, und im Jahr 2012 gab es noch 183 Unternehmen. Damit setzt sich der seit über zehn Jahren anhaltende Rückgang fort – jedoch in einem deutlich ruhigeren Tempo als bei den Vermittlern: Die Branche konzentriert sich zunehmend auf größere Anbieter, während kleinere Firmen ihre Konzession zurücklegen, fusionieren oder sich unter stärkere Dachstrukturen einordnen. Die verbleibenden Institute operieren zunehmend effizienter und mit umfassenderen organisatorischen Ressourcen.

Ein Markt in Konsolidierung
Die österreichische Finanzdienstleistungsbranche befindet sich weiterhin in einer konsolidierenden Phase. Die Statistik zeigt ein klares Bild: Weniger Vielfalt an Lizenzen und Vermittlungsberechtigungen, dafür mehr Spezialisierung und Professionalisierung. Die demografische Herausforderung – insbesondere der geringe Nachwuchs im Beratungsbereich – bleibt weiterhin ungelöst. Doch die neuesten Zahlen deuten darauf hin, dass zumindest der Kern der Branche stabil bleibt. (gp)