Prokrastination beschreibt laut Duden das Aufschieben anstehender Aufgaben. Viele Sparer zögern auch beim Investieren – aus Sorge vor Kursverlusten oder weil sie den vermeintlich perfekten Einstiegszeitpunkt abwarten wollen. Eine aktuelle Studie von Vanguard zeigt nun: Auch mit schlechtem Timing lässt sich gut verdienen.

Hypothetisch "unglücklichster" Anleger
Untersucht wurde die Wertentwicklung eines hypothetischen "unglücklichsten Investors". Dieser hätte in den vergangenen 30 Jahren ausschließlich zu den denkbar schlechtesten Zeitpunkten in den FTSE All-World Index investiert – also jeweils kurz vor größeren Markteinbrüchen wie der Finanzkrise, der Corona-Pandemie oder dem Beginn des Ukraine-Kriegs.

Das Ergebnis: Selbst unter diesen äußerst ungünstigen Bedingungen wäre aus den in Teilbeträgen investierten insgesamt 45.000 Euro bis Februar 2025 ein Vermögen von 155.580 Euro geworden. Das entspricht einem Gewinn von 110.580 Euro beziehungsweise einem Plus von 246 Prozent. Zum Vergleich simulierte Vanguard auch eine Anlage der gleichen Summe auf einem Festgeldkonto mit einer Verzinsung in Höhe des jeweiligen EZB-Leitzinses. In diesem Szenario wäre das Vermögen im selben Zeitraum lediglich auf 56.871 Euro gestiegen.

Zeit im Markt wichtiger als Timing
"Diese Analyse unterstreicht eine einfache, aber kraftvolle Wahrheit: Entscheidend ist nicht das perfekte Timing, sondern die Zeit, in der Geld investiert ist", sagt Chris Hofmann, Head of Intermediated Wholesale bei Vanguard in Deutschland. Selbst bei dauerhaft schlechtem Timing hätten Anleger langfristig deutlich bessere Ergebnisse erzielt, wenn sie investiert geblieben wären und zwischenzeitliche Kursrückgänge ausgehalten hätten. Hoch- und Tiefpunkte seien in Echtzeit kaum zuverlässig vorherzusagen. Wer Investitionen immer weiter aufschiebe oder in schwachen Marktphasen verkaufe, verpasse häufig entscheidende Erholungsphasen.

Neue Höchst- und Tiefststände gehörten zu funktionierenden Kapitalmärkten dazu, so Hofmann. Langfristig würden die Märkte vor allem von wirtschaftlichem Wachstum, Innovation, Produktivitätsfortschritten und reinvestierten Dividenden getragen. Hofmanns Fazit: "Wer langfristig investiert, breit diversifiziert und auf niedrige Kosten achtet, kann selbst in schwierigen Marktphasen attraktive Ergebnisse erzielen." (jh)