Die anhaltenden Niedrigzinsen hinterlassen mittlerweile deutliche Spuren in den Depots und in der Stimmung deutscher Anleger. In einer aktuellen Umfrage von Union Investment zeigten sich 60 Prozent der Befragten frustriert mit Blick auf die magere Verzinsung ihrer Ersparnisse. Immer mehr Sparer verfallen in der Folge in Lethargie: Fast jeder Zweite hat inzwischen überhaupt keine Lust mehr, die Erträge unterschiedlicher Geldanlagen miteinander zu vergleichen.

Rund die Hälfte der Befragten würden ihr Anlageverhalten nicht einmal dann ändern, wenn sie Strafzinsen auf Spareinlagen zahlen müssten. Vor allem für ältere Menschen kommen Aktien als Alternative zu Tagesgeldkonto oder Sparbuch kaum in Frage. Bei den 20- bis 29-Jährigen würden immerhin knapp zwei Drittel Negativzinsen als Anlass zum Umdenken nehmen. "Es ist eine wichtige Aufgabe, sie abzuholen und auf dem Weg zu einer ausgewogeneren Vermögensanlage zu begleiten", sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Ohne Beratung kein Aktien-Kauf
Tatsächlich ist das Abholen der Kunden offenbar ein nicht zu unterschätzender Faktor. So war in der Umfrage das Hauptargument gegen eine Aktienanlage, dass es an einem Berater fehlt, der das Investment professionell begleitet und Zusammenhänge erklärt. Rund 60 Prozent der Befragten nannten den Mangel an Beratung als Grund dafür, dass sie nicht in Aktien investieren. Nur 39 Prozent gaben an, zu wenig Geld für ein Investment zu haben.

"Die Umfrageergebnisse zeigen, welche Bedeutung Bankberatern auf dem Weg zu einem ausgewogenen Portfolio zukommt", sagt Gay. Schlechte Erfahrungen spielen übrigens kaum eine Rolle bei der Aktien-Scheu: Nur 15 Prozent gaben an, sich deswegen zurückzuhalten. "Dass viele Deutsche nach dem Vermögensverlust mit der Volksaktie Telekom Aktien meiden, ist veraltet", so Gay. "Mangelnde Kenntnisse vieler Sparer über aktienbasierte Anlageformen scheinen der Hauptgrund für die Zurückhaltung zu sein." (fp)


Über die Umfrage:
Seit Anfang 2001 ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Für das erste Quartal erhob Forsa die Daten vom 1. bis 11. Februar 2019.