Der Großteil der Banken, Fondsgesellschaften und Versicherer weltweit liegt bei der Umstellung von Geldmarktsätzen im Plan. Die Wirren rund um die Covid-19-Pandemie hätten zu keinen gravierenden Verzögerungen geführt, ergab eine weltweite Umfrage der Ratinggesellschaft Moody's unter 85 Finanzdienstleistern. Demnach gaben alle Unternehmen zu Protokoll, einen Umstellungsplan entworfen zu haben. Bei einer ähnlichen Umfrage vor einem Jahr hatten nur zwei Drittel der Banken sowie lediglich ein Drittel der anderen Finanzdienstleister einen solchen Plan parat.

Referenzsätze wie Libor und Eonia werden Zug um Zug bis 2021 durch neue Barometer ersetzt. Für den Euro-Raum gilt künftig etwa €STR (Euro Short-Term Rate) als neue Leitmarke. Dem Finanzstabilitätsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge fußen Kredite, Anleihen oder andere Finanzinstrumente mit einem nominal ausstehenden Volumen von rund 370 Billionen US-Dollar auf den betroffenen Geldmarktsätzen.

Benchmark austauschen
Notwendig geworden war die gewaltige Austauschaktion wegen der schwerwiegenden Manipulationen, die seit 2011 bekannt wurden. Zahlreiche Banken, die zur Festsetzung der Referenzsätze beitragen, hatten falsche Daten gemeldet. Behörden weltweit verhängten daraufhin Bußgelder gegen Banken in Höhe von fast zehn Milliarden Dollar. Mehrere Händler, die an den Manipulationen maßgeblich beteiligt waren, wurden zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt. Zudem beschlossen die Regulierer eine umfassende Reform.

Der Moody's-Umfrage zufolge emittierten bereits 60 Prozent der Banken Schuldverschreibungen mit variablem Zinssatz auf Basis der neuen Referenzen. Im vergangenen Jahr waren es nur 20 Prozent der Geldhäuser gewesen. Bei den übrigen Finanzdienstleistern sei die Umstellung aber nicht ganz so weit vorangeschritten, zeigt die Erhebung. Die Libor- und Eonia-Umstellung betrifft auch Fondsgesellschaften. Zum einen nutzen Portfoliomanager Finanzderivate, die auf den alten Leitsätzen fußen. Zum anderen stehen die Geldmarktsätze häufig als Vergleichsmaßstab in den Anlagerichtlinien. Diese müssen entsprechend aktualisiert werden. (ert)