Trotz zahlreicher Krisen und einer anhaltenden Skepsis gegenüber der weiteren Marktentwicklung rechnen Finanzberater mit Wachstum. Dies ergab eine Umfrage von Natixis Investment Managers (Natixis IM). Demnach erwarten die Berater im nächsten Jahr einen Anstieg des verwalteten Vermögens um 11,9 Prozent. Für die nächsten drei Jahre rechnen die Befragten mit einem Zuwachs von im Schnitt 12,8 Prozent im Jahr.

Allerdings steht das Geschäftsmodell der Finanzberater gleich aus mehreren Gründen unter Druck. So trifft die künstliche Intelligenz auch diesen Wirtschaftszweig. 80 Prozent der Berater gehen davon aus, dass die Häuser, die KI einsetzen, einen Wettbewerbsvorteil aufweisen werden. Immerhin 71 Prozent geben an, KI bereits einzusetzen. Natixis IM befragte für die Untersuchung 2.950 Finanzprofis in 23 Ländern rund um den Globus.

KI als Bedrohung
Der KI-Einsatz erfolgt der Umfrage zufolge vor allem, um E-Mails oder Gesprächsnotizen zu verfassen oder um sich Marktkommentare zusammenfassen zu lassen. Nicht ganz so weit verbreitet ist der Einsatz für Portfolio- und Risikoanalysen. 40 Prozent gaben dies an. Demgegenüber erklärten 68 Prozent der Teilnehmer, dass die Integration von KI in bestehende Arbeitsabläufe anspruchsvoller sei als erwartet. Fast ebenso viele fürchten, nicht über die nötigen digitalen Kompetenzen zu verfügen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zugleich entwickelt sich KI zur Bedrohung des Geschäftsmodells. Fast die Hälfte der Finanzberater erwartet, dass KI-Werkzeuge für Selbstentscheider in fünf Jahren ihr größter Wettbewerber sein werden. Nur elf Prozent gehen davon aus, dann vor allem mit anderen Finanzberatern zu konkurrieren. In einer Umfrage von vor fünf Jahren hatten dies noch 31 Prozent angegeben. Als weitere Wettstreiter sehen die Berater Neobroker (56 Prozent). In Deutschland sehen sogar zwei Drittel diese als Bedrohung.

Fusion keine Option
Eine weitere Herausforderung für Finanzberater stellt der demografische Wandel dar. So geht immer mehr Vermögen auf die jüngere Generation über – die deutlich digitalaffiner ist. Gleichwohl stellt sich weniger als die Hälfte der Berater darauf ein, etwa indem sie digitale Angebote starten oder für die Zielgruppe relevante Dienstleistungen bieten wie Beratung zur Immobilienfinanzierung oder zum Umgang mit Studienkrediten. Lediglich ein Drittel der Berater nutzt soziale Medien, um jüngere Kunden zu erreichen.

Die Alterung der Gesellschaft erfasst jedoch nicht nur die Kunden, sondern auch die Finanzberatungsunternehmen selbst. Immerhin sehen fast acht von zehn Beratern die bevorstehende Ruhestandswelle in der Branche als bedeutende Chance, ihr Geschäft auszubauen. Einen Plan für die Unternehmensnachfolge haben jedoch nur 54 Prozent entwickelt. Und 51 Prozent geben an, dass jüngere Berater schwierig zu finden seien. Nur16 Prozent sehen eine Fusion mit einem anderen Beratungshaus als Option und lediglich zehn Prozent sehen externe Käufer als Lösung. (ert)