Der Boom börsengehandelter Fonds (ETFs) verschiebt die Gewichte im Asset Management. Dies zeigt sich insbesondere im amerikanischen Markt, wo Anleger in den vergangenen zehn Jahren massiv Kapital aus aktiven Fonds auf US-Aktien abgezogen haben. Mittel flossen stattdessen vorwiegend in passive Vehikel wie Indexfonds, vor allem aber in ETFs. Dies zeigen Daten des US-Fondsbranchenverbands Investment Company Institute (ICI). Die Entwicklung des Nettomittelaufkommens im US-Markt sehen Sie in der Grafik oben.

So flossen von Anfang 2015 bis Ende 2024 kumuliert fast drei Billionen Dollar aus aktiven US-Aktienfonds ab, während rund 2,4 Billionen Dollar in Index-ETFs strömten. Das anhaltende Wachstum von Indexinvestments verschiebt auch generell die Gewichte im amerikanischen Markt für Publikumsfonds. So näherte sich das insgesamt in passiven Vehikeln verwaltete Vermögen in den vergangenen Jahren dem in aktiven Fonds verwalteten Vermögen an – und überholte es schließlich im Jahresverlauf 2024.

Tektonische Verschiebung
Die Entwicklung kulminierte in einem klaren Vorsprung für passive Produkte. Das Volumen von ETFs und Indexfonds auf die Anlageklassen Aktien, Anleihen und Multi-Asset lag dem ICI zufolge per Ende 2025 bei 19,3 Billionen US-Dollar. Klassische US-Publikumsfonds vereinten nur noch 17,4 Billionen US-Dollar. Blickt man auf die Zuflüsse, dann gewinnen ETFs, die Elemente des aktiven Managements aufweisen, an Zuspruch. Ob der Aufstieg aktiver Strategien im Mantel von ETFs den Siegeszug des Indexinvestments bremsen kann, erscheint aber noch offen.

Diese tektonische Verschiebung vom aktiven zum passiven Investmentstil im US-Fondsmarkt ruft zunehmend kritische Stimmen hervor. Diese verweisen unter anderem auf die Konzentration, die der Fokussierung auf Indextitel entspringt. Dies berge Risiken für Investoren bis hin zur Stabilität des Finanzsystems insgesamt. In Europa ist dieser Schwenk zu passiven Fonds zwar ebenfalls zu beobachten, doch hier überwiegen mit einem Marktanteil von fast 70 Prozent noch klar aktive Strategien, wie Daten der Ratinggesellschaft Morningstar zeigen. (ert)